Das trockene Auge: Sicca-Syndrom

Wenn die Augen brennen, jucken oder gerötet sind und jeder Wimpernschlag schmerzt, können trockene Augen dahinterstecken. Immer mehr Menschen leiden unter dem Sicca-Syndrom (Keratoconjunctivitis sicca). Bei diesem Krankheitsbild ist die Augenoberfläche nur unzureichend mit Tränenflüssigkeit benetzt. Betroffene empfinden dies als äußerst unangenehm, die Lebensqualität wird deutlich eingeschränkt. Mit unterschiedlichen Diagnosemethoden kann der Augenarzt trockene Augen feststellen und eine Behandlung mit befeuchtenden Augentropfen kann die Symptome von trockenen Augen verbessern.

Trockene Augen (Sicca-Syndrom): Auge in Nahaufnahme.

Ursachen für das Sicca-Syndrom

Das trockene Auge ist auf dem Vormarsch: Jedes Jahr klagen mehr Menschen über Probleme mit trockenen Augen. Die Gründe dafür liegen in den veränderten Lebensbedingungen. Allein durch die steigende Lebenserwartung steigt die Zahl der Menschen mit Sicca-Syndrom, da mit zunehmendem Alter generell weniger Tränenflüssigkeit produziert wird. Zusätzlich können Erkrankungen wie Diabetes mellitus und Rheuma oder hormonelle Umstellungen wie etwa in den Wechseljahren zu trockenen Augen führen. Eine weitere Ursache für das Sicca-Syndrom sind Umweltbelastungen: Feinstaub, Zigarettenqualm und Abgase strapazieren die empfindlichen Augen zunehmend. Viele Menschen verbringen zudem viel Zeit an Bildschirmen, ob mit Computerarbeit oder am Smartphone. Eine Erkrankung, die sich daraus entwickeln kann, ist das Office-Eye-Syndrom .

Aber auch Klimaanlagen in Wohnräumen oder im Auto führen zum Verdunsten des Tränenfilms im Auge und bestimmte Gruppen von Medikamenten begünstigen ebenfalls trockene Augen. Dazu gehören beispielsweise die Antibabypille, Psychopharmaka, Betablocker oder Antihistaminika.
Nicht zuletzt klagen Menschen, die regelmäßig Kontaktlinsen  tragen, verstärkt über trockene Augen.

Symptome für trockene Augen

Ist die Augenbenetzung gestört, treten typische Symptome auf. Die Augen röten sich meist, dazu jucken und brennen oder stechen sie. Betroffene klagen oftmals auch über ein Fremdkörpergefühl im Auge, als wäre Sand auf der Hornhaut . Sind die Augen extrem trocken, kann dies zu Schmerzen bei jedem Wimpernschlag führen. Die Augen schwellen oftmals an und teilweise klagen Sicca-Patienten über ein trockenes Gefühl, obwohl die Augen tränen.

Zwei Hauptgründe für trockene Augen

Eine Benetzungsstörung des Auges hat zwei Hauptursachen: Entweder wird zu wenig Tränenfilm gebildet oder der Tränenfilm hat eine veränderte Zusammensetzung.
Tränen werden in speziellen Drüsen gebildet, die rund um das Auge angeordnet sind. Sie befeuchten die Augenoberfläche und laufen dann in Tränenkanäle ab, die in die Nasenhöhle führen.

Der Tränenfilm zeichnet sich durch einen komplexen Aufbau aus und besteht aus drei Phasen:

1. Die Schleimschicht liegt direkt auf der Hornhaut auf und sorgt dafür, dass sich der Tränenfilm gleichmäßig über das Auge verteilt.
2. Die wässrige Schicht enthält Nährstoffe für die Hornhaut und Abwehrstoffe, die Krankheitserreger unschädlich machen.
3. Ein Fettfilm liegt oben auf und sorgt dafür, dass die anderen beiden Schichten nicht einfach abfließen, sondern auf dem Auge verbleiben.

Sobald die Tränendrüsen zu wenig Tränen bilden, reißt der Tränenfilm auf. Die Hornhaut ist dann ungeschützt und wird weder mit Nährstoffen versorgt, noch können Krankheitserreger abgewehrt werden. Genauso kann ein veränderter Tränenfilm dafür sorgen, dass die Augen austrockenen. Die fein aufeinander abgestimmte Zusammensetzung kann schnell instabil werden, beispielsweise wenn zu wenig Fett die Tränenschicht vor dem Abfließen schützt. So kann es dazu kommen, dass die Augen tränen und die Augenoberflächen trotzdem trocken sind. Außerdem verdunstet der Tränenfilm so deutlich schneller.

Diagnose des Sicca-Syndroms

Mit trockenen Augen ist ein Besuch beim Augenarzt anzuraten. Durch verschiedene Tests kann er ermitteln, wie trocken die Augen wirklich sind und eine geeignete Behandlung vorschlagen. Auch wird er der Ursache für das Sicca-Syndrom auf den Grund gehen. Im ersten Schritt nimmt der Arzt die Krankheitsgeschichte (Anamnese) auf. So ergibt sich meist schon ein genaueres Bild über die Beschwerden. Anschließend stehen mehrere Tests zur Verfügung, um die Augen auf eine Benetzungsstörung zu untersuchen.

Spaltlampe

Mit einer Spaltlampe kann sich der Augenarzt einen allgemeinen Überblick über den Zustand des Auges verschaffen. Veränderungen des Augengewebes, zum Beispiel Rötungen oder verstopfte Tränendrüsen, kann er auf diesem Weg feststellen.

Lidkantenparallele Bindehautfalten (LIPCOF)

LIPCOF steht für Lid Parallel Conjunctival Folds. Damit sind Falten gemeint, die auf der Bindehaut durch erhöhte Reibungskräfte zwischen der Bindehaut und den Lidern entstehen. Patienten mit trockenen Augen haben meist stark ausgeprägte lidkantenparallele Bindehautfalten. Mit der Spaltlampe untersucht der Augenarzt die Bindehaut auf die Falten und ordnet sie auf einer Skala von null (=keine Bindehautfalten) bis vier (=starke Bindehautfalten) ein.

Das Testen der Tränenfilm-Aufreißzeit (F-BUT)

Mit dem Fluoreszein-Break Up Time Test (kurz: F-BUT) wird untersucht, wie lange es dauert, bis der Tränenfilm beginnt aufzureißen. Der Test macht sich zunutze, dass trockene Augen sich deutlich von gesunden Augen unterscheiden: Bei allen Menschen wird der Tränenfilm durch regelmäßiges Blinzeln über das Auge verteilt. Bleibt das Auge hingegen für einige Zeit offen, reißt der Tränenfilm irgendwann auf. Genau das passiert bei Sicca-Patienten viel schneller als bei Personen ohne Augenprobleme.

Für den Test wird die Tränenflüssigkeit mit Hilfe von speziellen Augentropfen mit dem Farbstoff Fluoreszein angefärbt. Der Augenarzt beobachtet mit der Spaltlampe die Augenoberfläche und stoppt die Zeit, bis der Tränenfilm aufreißt. Der Patient darf in dieser Zeit nicht blinzeln. Die Messung wird pro Auge dreimal wiederholt, danach wird ein Mittelwert aus den Messungen errechnet.

Schirmer-Test

Mit dem Schirmer-Test kann die Produktion der Tränenflüssigkeit bestimmt werden. Dafür wird je ein Streifen Filterpapier in die unteren Augenlider eingehängt. Dann wird der Patient gebeten, die Augen fünf Minuten geschlossen zu halten. Die Filterstreifen saugen in der Zeit Tränenflüssigkeit auf. Nach Ablauf der Zeit wird gemessen, wie viele Millimeter des Papiers befeuchtet sind. Je weniger Tränenflüssigkeit produziert wird, desto kürzer ist die Strecke des angefeuchteten Papiers. Der Normalwert liegt bei mehr als zehn Millimetern. Der Schirmer-Test kann auch nach einer Reizung des Auges oder unter Betäubung der Augenoberfläche stattfinden.

Weitere Untersuchungsmethoden von trockenen Augen

Neben den zuvor genannten Standard-Untersuchungen kann der Augenarzt noch aus vielen weiteren Methoden wählen:

  • Lipidinterferenz: Mit Hilfe der Spaltlampe wird die Dicke der Fettschicht des Tränenfilms festgestellt.
  • Keratograph: Mit dem Gerät lässt sich, ohne dass das Auge angefärbt wird, die Oberfläche analysieren.
  • Hornhautsensibilität: Das Hornhautempfinden wird mit einem sogenannten Nylonfaden-Ästhesiometer überprüft. Bei Sicca-Patienten ist die Berührungsempfindlichkeit der Hornhaut meist deutlich herabgesetzt.
  • Tränenabfluss-Test: Bei diesem Test wird überprüft, ob die Tränenflüssigkeit ordnungsgemäß über die Tränenkanäle abfließt. Ist der Abfluss gestört, kann dies zu einem trockenen Auge beitragen.
  • Labortests: Die Tränenflüssigkeit kann bei verschiedenen Tests im Labor auf ihre Zusammensetzung hin untersucht werden. Dies gibt Aufschluss darüber, ob eine veränderte Zusammensetzung des Tränenfilms das trockene Auge verursacht.

Was tun bei trockenen Augen (Sicca-Syndrom)?

Patienten mit einer leichten oder mittelschweren Benetzungsstörung helfen befeuchtende Augentropfen meist sehr gut. Diese Tränenersatzmittel können mehrmals täglich in die Augen getropft werden und sorgen für eine angenehme Befeuchtung. Besonders bewährt haben sich für diese Behandlung Augentropfen mit dem Inhaltsstoff Hyaluronsäure. Dieses körpereigne Molekül haftet sehr gut auf der Augenoberfläche und sorgt wegen seiner hervorragenden Wasserbindungseigenschaften für eine lang anhaltende Befeuchtung.

Bei schweren Formen von trockenen Augen ist die Behandlung mit Geltropfen geeignet. Sie weisen eine hohe Viskosität auf und haften daher extra lange auf der Augenoberfläche.
Greifen Sie nachts am besten zu einer Augensalbe. Sie unterstützt die Augen bei der nächtlichen Regeneration und schützt sie vor dem Austrocknen.

Kauf von Augentropfen: Dies sollten Sie beachten

In der Apotheke steht Ihnen eine große Bandbreite an Augenpflegemitteln zur Verfügung. Ein hochwertiges Produkt erkennen Sie an folgenden Kriterien:

  • Frei von Konservierungsmitteln: Konservierungsmittel belasten die empfindlichen Augen, nachweislich können sie sogar das Krankheitsbild des trockenen Auges verschlechtern1.
  • Frei von Phosphatpuffer: Phosphatpuffer kann ebenfalls zu Hornhautschäden führen. Vor allem bei Menschen mit einer geschädigten Hornhaut kann sich eine dauerhafte Hornhauttrübung entwickeln2. Wählen Sie besser ein Produkt mit Citratpuffer.
  • Empfehlenswerte Inhaltsstoffe bei trockenen Augen sind: Hyaluronsäure, Dexpanthenol, Euphrasia (Augentrost), Ectoin, Heparin und Vitamin A.

Achten Sie zudem auf eine leichte Handhabung, sodass Sie die Tropfen präzise dosieren können. Auch die Ergiebigkeit ist ein wichtiges Kriterium: Die Augentropfen verschiedener Hersteller unterscheiden sich sowohl in der Haltbarkeit als auch in der abgefüllten Menge. Pumpflaschen zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie die meisten Tropfen abgeben können. Verbunden mit einer langen Haltbarkeit, auch nach dem Öffnen, bieten diese Flaschen meist das beste Preis-Leistungsverhältnis.

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Je nach individuellem Bedarf gibt es Augenpflegepräparate mit unterschiedlichen Wirkstoffen, beispielsweise gegen irritierte Augen, bei Verletzungen der Hornhaut oder gegen eine vermehrte Verhornung der Hornhaut. Kombinationspräparate erhöhen die Bandbreite der Anwendungen zusätzlich.

Sie haben trockene Augen? Probieren Sie es doch mal mit diesen Hausmitteln.

Entscheiden Sie sich nur für Augenpflegeprodukte, die ohne Konservierungsmittel auskommen. Denn diese Stoffe schädigen die empfindliche Hornhaut. Eine Beratung bei ihrem Arzt oder Apotheker hilft Ihnen, das richtige Produkt auszuwählen.

Vorbeugend sollten Sie Dinge vermeiden, die zu trockenen Augen führen.

    • Reduzieren Sie die Nutzungsdauer von Bildschirmen auf ein Minimum und halten Sie sich möglichst wenig in klimatisierten Räumen auf.
    • Ein Spaziergang in der Natur ist nicht nur eine Wohltat für die Augen, sondern für den ganzen Körper.
    • Achten Sie auf eine gesunde Ernährung die auch dem Auge zugute kommt.
    • Denken Sie an Ihren Flüssigkeitshaushalt: Nur wenn Sie genügend trinken, kann der Körper Tränenflüssigkeit bilden.
Weitere Informationen dazu finden Sie unter Tipps für Augen im Alltag.

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1Pressemitteilung der Deutschen Ophtalmologischen Gesellschaft (DOG), Januar 2013 (http://www.dog.org/wp-content/uploads/)
2Blumberg, A.: Bull. zur Arzneimittelsicherheit 2013; Nr. 1: 7-12