Managerkrankheit der Augen — Sehstörungen durch Stress

3. Januar 2019
7 Min.

Oftmals betroffen sind Führungskräfte, die einem großen Druck standhalten müssen. Sind Sehstörungen durch Stress wahrnehmbar, sprechen Mediziner von der sogenannten Managerkrankheit des Auges (auch als Retinopathia centralis serosa, kurz RCS bezeichnet). Welche Symptome dabei auftreten, was die Ursachen sind und wie die Behandlung erfolgt, lesen Sie hier.

Mann mit Sehstörungen reibt sich die Augen.

Sehstörungen durch Stress: Die Symptome

Die RCS — also die Managerkrankheit der Augen — tritt sehr häufig bei Menschen auf, die einem besonders hohen Maß an Stress im Alltag und im Berufsleben ausgesetzt sind. Zu den typischen Symptomen gehören:

Hinzu kommen oftmals weitere Augenprobleme, die durch Stress ausgelöst werden. Diese betreffen nur bedingt das Sehvermögen. Dennoch empfinden sie Betroffene meist als unangenehm und störend. Mitunter zählen dazu:

Die genannten Symptome können sehr vielfältig sein und unterscheiden sich von Person zu Person sowohl im Schweregrad als auch in ihrem Verlauf. Als eine mögliche Folge sind zum Beispiel Schwierigkeiten beim Lesen zu nennen. In der Regel treten Augenprobleme wie Sehstörungen, die durch Stress ausgelöst werden, sehr plötzlich auf und vergehen meist von selbst wieder. Sollte dies nicht der Fall sein und die Symptome bleiben sehr lange bestehen beziehungsweise kehren häufig wieder, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen.

Mögliche Ursachen für die Sehstörung

Die genauen Ursachen für die Entstehung der hier thematisierten Sehstörung sind nicht eindeutig geklärt. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie durch zu viel Stress im beruflichen oder privaten Umfeld verursacht werden, stufen Experten jedoch als sehr hoch ein. Zudem sind es meistens junge Männer bis zu einem Alter von 50 Jahren, die besonders anfällig sind, von der Managerkrankheit der Augen betroffen zu sein.1

Bei Betroffenen von Sehstörungen wie Augenproblemen durch Stress wird des Öfteren ein erhöhter Wert von Stresshormonen im Blut festgestellt, welche die Blutgefäße im Auge schädigen können. Selbige führen dazu, dass sich an den Blutgefäßen in der Aderhaut brüchige und durchlässige Stellen bilden, wodurch Flüssigkeitsansammlungen unter der Netzhaut entstehen können.

Die Erkrankung sollte sehr ernst genommen werden, da für gewöhnlich eine Ablösung der Netzhaut als Auslöser für die Symptome verantwortlich ist. In besonders schweren Fällen ist es außerdem möglich, dass sich sehr kleine Risse — sogenannte Mikrorisse — an der Netzhaut bilden, wodurch Flüssigkeit ins Innere des Augapfels eindringen kann. Durch die angesammelte Flüssigkeit ist die Netzhaut stellenweise leicht angehoben und läuft bei Eindringen selbiger Gefahr, sich dauerhaft abzulösen. Die Folgen davon können Sehschwächen und sogar Blindheit sein.

Behandlung der Managerkrankheit der Augen

Liegen Sehstörungen vor, die durch Stress herbeigeführt werden, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die Symptome mit einer Stressreduktion von selbst wieder verschwinden. Häufig kommt es zwar zu mehreren Schüben der Sehstörungen — über die Zeit nehmen diese in ihrer Intensität jedoch ab.

Eine essenzielle Behandlungsmaßnahme ist es daher, den Stress im Alltag so weit wie möglich zu reduzieren. Dabei ist es wichtig, die Stressquellen zu identifizieren, diese gezielt zu vermindern oder gänzlich aus dem Leben zu verbannen. Ein Gespräch mit einer vertrauten Person kann dafür ein erster Anfang sein. In manchen Fällen ist auch die Therapie bei einem Psychologen hilfreich. Sie kann nicht nur eine Unterstützung sein, um den bestehenden Stress zu bewältigen, sie dient auch dazu, diesem künftig vorzubeugen. In der Regel gibt der Therapeut nützliche Methoden an die Hand, die dabei unterstützen, mit schwierigen Situationen besser umzugehen und Augenprobleme durch Stress zu vermeiden.

Gut zu wissen:

Entspannungsfördernde Praktiken wie Massagen, Sport (beispielsweise Yoga) sowie ein gesundes Maß an täglicher Bewegung, dienen der Lockerung der Muskulatur. Auch auf diese Weise kann bei Stress nachhaltig Abhilfe geschaffen werden.

Liegen schwerwiegende Verlaufsformen der Managerkrankheit der Augen vor, behandelt der Augenarzt unter anderem mit einer Lasertherapie. Dieses Vorgehen findet jedoch nur dann statt, wenn bereits dauerhafte Sehstörungen durch Flüssigkeitsansammlungen eingetreten sind. Hierbei verödet er die undichten Stellen der Netzhaut, um zu verhindern, dass weitere Flüssigkeit darunter gelangen kann. Diese Form der Behandlung ist nicht oder kaum schmerzhaft und nur dann möglich, wenn sich die entsprechende Stelle auf der Netzhaut nicht in unmittelbarer Nähe der Makula (das Areal, das scharfes Sehen ermöglicht) befindet. Das Risiko, dass Sehzellen beschädigt oder zerstört werden und die Sehkraft noch stärker beeinträchtigt wird, wäre zu groß.

Eine weitere Option ist die sogenannte photodynamische Therapie. Der Betroffene bekommt dabei einen Wirkstoff per Injektion in die Blutbahn verabreicht, der sich dann in den beschädigten Gefäßen des Auges anreichert. Der Effekt dieses Arzneimittels wird durch die Einstrahlung von Licht (oder eines Kalt-Lasers) ins Auge aktiviert, wodurch es potenziell beschädigte Blutgefäße im Auge wieder verschließt. Für gewöhnlich betäubt der Arzt das Auge davor mit schmerzlindernden Augentropfen und setzt während der Behandlung eine spezielle, schützende Kontaktlinse ein. Auf diese Weise gelingt es, die Sehstörungen durch Stress zu reduzieren, und deren Voranschreiten zu verlangsamen.

Die Managerkrankheit der Augen ist also in den meisten Fällen behandelbar. Dennoch sollten Sehstörungen durch Stress nicht auf die leichte Schulter genommen werden, da auch bleibende Schäden möglich sind.

Jan Zimmermann
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Medizinredakteur und Medienwissenschaftler