Fehlsichtigkeit bei Kindern: Wenn junge Augen nicht richtig funktionieren

13. November 2018

Der kindliche Sehsinn entwickelt sich früher, als die meisten Menschen glauben: In den ersten acht Lebensmonaten dienen die großen runden Augen eines Babys aber hauptsächlich dazu, die Eltern in Verzückung zu bringen und spielen als Sehorgan tatsächlich eine eher untergeordnete Rolle. Spätestens mit neun Monaten jedoch – da beginnt der Nachwuchs den Fernbereich ins Visier zu nehmen – ist das kindliche Auge genauso leistungsstark wie das eines Erwachsenen. Ab diesem Zeitpunkt sollten Eltern verstärkt auf erste Anzeichen von Fehlsichtigkeit bei ihren Kindern achten. Lesen Sie hier, welche Sehfehler im Kinderalter typisch sind und wie Sie diese erkennen können.

Ein Junge mit Brillen – diese Behandlungsmethode ist für Fehlsichtigkeit bei Kindern typisch.

Formen der Fehlsichtigkeit bei Kindern

Augapfel, Pupille, Linse, Netzhaut und Iris sorgen dafür, dass wir Bilder scharf sehen können. Bei einer Fehlsichtigkeit – auch Sehfehler oder Sehschwäche genannt – liegt eine Beeinträchtigung von einem oder mehreren Bestandteilen des Auges vor, wie zum Beispiel eine Hornhautverkrümmung der Linse. Die Folge: Eine eingeschränkte Sehschärfe.

Je nachdem, welcher Part des Auges verändert oder beschädigt ist, unterscheiden sich die Auswirkungen. Bei Kindern sind diese Probleme besonders typisch:

Dem Überbegriff Fehlsichtigkeit bei Kindern lässt sich also ein großes Spektrum an Sehstörungen unterordnen. Im Folgenden finden Sie einen kurzen Überblick zu den wichtigsten.

Weitsichtigkeit bei Kindern

Liegt eine Weitsichtigkeit bei Kindern vor, können nahe Gegenstände nur unscharf erkannt werden. Der Grund dafür ist, dass der Augapfel des Sprösslings zu kurz ist. Neben genetischer Veranlagung, spielen auch veränderte Sehgewohnheiten (zum Beispiel das ständige Sitzen vor dem Computer oder am Smartphone) eine Rolle. In seltenen Fällen ist auch eine zu geringe Brechkraft der Linse schuld an einer Weitsichtigkeit bei Kindern. Die Unschärfe kommt zustande, weil die einfallenden Lichtstrahlen aufgrund der Kürze des Augapfels statt auf der Netzhaut, erst dahinter zusammentreffen.

Wie äußert sich eine Weitsichtigkeit bei Kindern?

Bei Kindern fällt eine Weitsichtigkeit oft erst spät auf, da sie eine Zeit lang in der Lage sind, diese Fehlsichtigkeit durch ihre Augenmuskeln auszugleichen, indem sie diese besonders anstrengen. Die Folge: Bei Kindern mit dieser Art von Fehlsichtigkeit treten oftmals Kopfschmerzen auf. Des Weiteren fällt die Weitsichtigkeit bei Kindern zum Beispiel durch Ungeschicklichkeit beim Greifen von nahen Gegenständen oder dem Zusammenkneifen der Augen beim Lesen auf.

Kurzsichtigkeit bei Kindern

Wenn bei Kindern eine Kurzsichtigkeit festgestellt wird, dann ist in den meisten Fällen ein zu langer Augapfel schuld. Weitere Ursachen können jedoch auch eine zu starke Brechkraft der Hornhaut oder Linse sein. Egal, was der Auslöser ist, die Folge bleibt die gleiche: Das Kind sieht weit entfernte Dinge schlecht und alles, was sich in seiner Nähe befindet gut. Medizinischer ausgedrückt: Bilder in der Ferne entstehen vor der Netzhaut, daher wird das Bild auf der Netzhaut unscharf wahrgenommen.

Wie äußert sich eine Kurzsichtigkeit bei Kindern?

Eltern erkennen bei ihren Kindern eine Kurzsichtigkeit zum Beispiel daran, dass sie sich darüber beschweren Wörter auf der Schultafel schlecht lesen zu können. Oft ist Kindern ihre Fehlsichtigkeit jedoch nicht bewusst und sie versuchen sich durch Nachfragen bei ihrem Sitznachbarn oder Augenzusammenkneifen durchzumogeln. Wenn bei Ihrem Kind Schulprobleme auftreten sollten, ist es ratsam, auch an eine Kurzsichtigkeit zu denken.

Hornhautverkrümmung bei Kindern

Liegt bei Kindern eine Hornhautverkrümmung vor, ist die Hornhaut des Auges ungleichmäßig gewölbt. So wird das eintreffende Licht verzerrt. Infolgedessen nimmt das Kind einen Punkt als Strich oder ein rundes Objekt als etwas Ovales wahr. Meistens ist eine Hornhautverkrümmung bei Kindern angeboren und ändert sich im Laufe des Lebens nicht mehr. In einigen Fällen entsteht sie jedoch auch durch Narben auf der Hornhaut nach Krankheiten oder Verletzungen.

Wie äußert sich eine Hornhautverkrümmung bei Kindern?

Es kann passieren, dass eine geringe Hornhautverkrümmung bei Kindern unerkannt bleibt, da unser Gehirn leichte Sehfehler automatisch ausgleicht. Bei einer starken Ausprägung, die bei Kindern oft in Kombination mit Kurz- oder Weitsichtigkeit auftritt, klagen diese häufig über brennende Augen, Kopfschmerzen oder Blendung.

Schielen bei Kindern

Wenn Kinder schielen, dann weicht eines der Augen von der Parallelstellung ab – also beide schauen in unterschiedliche Richtungen und auf dem linken Auge entsteht ein anderes Bild als auf dem rechten.

Wie äußert sich Schielen bei Kindern?

Oft macht sich ein Schielen in Situationen bemerkbar, in denen Kinder müde sind. Der Grund dafür: Bei Müdigkeit ist der Organismus damit beschäftigt sich wachzuhalten, es gelingt ihm in diesen Situationen nicht mehr, die Schielstellung der Augen zu überwinden. Weitere Anzeichen sind tränende Augen und ständiges Kopf schief halten. Wenn Eltern auffällt, dass ihr Kind häufig stolpert oder es beim Greifen danebenpackt, sind auch das Symptome für Schielen.

Mögliche Behandlung einer Fehlsichtigkeit bei Kindern

Um Augenprobleme zu behandeln, gibt es unterschiedliche Methoden. Meistens wird jedoch auf spezielle Kinderbrillen zurückgegriffen. Je nachdem welche Fehlsichtigkeit bei Ihrem Kind vorliegt, verschreibt der Augenarzt andere Brillengläser:

  • Weitsichtigkeit bei Kindern: Korrigiert wird diese Fehlsichtigkeit bei Kindern durch eine sogenannte Sammellinse – sie bündelt das Licht, sodass das scharfe Bild nun auf der Netzhaut und nicht dahinter entsteht. Diese Plusgläser sind innen dick und außen dünn (konvex).
  • Kurzsichtigkeit: Bei Kindern mit dieser Fehlsichtigkeit verordnet der Augenarzt eine sogenannte Zerstreuungslinse. Diese sorgt dafür, dass entfernte Gegenstände wieder klar und deutlich erkannt werden Die Brillengläser für eine Kurzsichtigkeit bei Kindern sind konkav – also am Rand außen dicker als mittig.
  • Hornhautverkrümmung bei Kindern: Da diese Fehlsichtigkeit bei Kindern häufig in Verbindung mit Kurz- oder Weitsichtigkeit auftritt, verschreibt der Augenarzt kombinierte Brillengläser. Diese sorgen dafür, dass die nahen oder weit entfernten Gegenstände wieder scharf wahrgenommen werden und gleichen zudem die Verzerrung durch die Hornhautkrümmung aus.
  • Schielen bei Kinder: Bei den sogenannten Schielkindern wird meistens eine Brille verordnet, in deren Glas ein Prisma eingebaut ist, welches die einfallenden Lichtstrahlen ablenkt. Das hilft dem kindlichen Gehirn dabei, die Bilder von dem rechten und linken Auge wieder zusammenzubringen.

Auch Augenpflaster oder eine Sehschule sind typische Behandlungsformen für eine Fehlsichtigkeit bei Kindern. Die Methode mit dem Pflaster funktioniert so, dass das besser sehende Auge abgeklebt wird, damit das schwache Auge seine Sehkraft stärken kann. Wie lange das der Fall ist, legt der Arzt individuell fest. Oft kommt diese Behandlung bei schielenden Kindern zum Einsatz. Werden beim Nachwuchs unterschiedlich starke Augen diagnostiziert, versuchen Ärzte mit einer Sehschule, bei der durch gezielte Übungen, die Kraft der Augen gestärkt werden, der Fehlsichtigkeit bei Kindern entgegenzuwirken.

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