Augenflimmern und Blitze im Auge – eine harmlose optische Täuschung?

2. April 2020
11 Min.

Das plötzliche Wahrnehmen von hellen Lichtflecken, Flimmern und Blitzen im Auge kann für Betroffene sehr beunruhigend sein. Die unvermittelten Erscheinungen bei Augenflimmern tauchen nicht selten im Zusammenhang mit Migräne, übermäßigem Stress, aber auch epileptischen Anfällen auf.

Blendeffekte, Augenflimmern und Blitze im Auge beeinträchtigen die Sicht beim Autofahren.


Überblick:


Häufig gestellte Fragen zum Thema Augenflimmern

Was ist Augenflimmern? Dabei handelt es sich um Gesichtsfeldausfälle in Form von hellen Lichtflecken und Blitzen (Photopsie).1 Medizinisch wird das Phänomen auch als Flimmerskotom bezeichnet.

Welche Ursache hat Augenflimmern? Zu den möglichen Ursachen gehören Migräne mit Aura, Stress, Netzhautablösungen und selten auch epileptische Anfälle.

Was tun gegen Augenflimmern? Zur Behebung des Augenflimmerns wird die ursprüngliche Störung oder Erkrankung behandelt. Das kann viele Bereiche umfassen, von Änderungen des Lebensstils über Medikamente bis hin zum Schaffen eines „Vermeidungsbewusstseins“ (Auslöser für Augenflimmern erkennen und umgehen).

Was sind diese Lichtflecken im Auge?

Patienten, die in ihrem Gesichtsfeld Ausfälle bemerken, wie

  • Lichterscheinungen,
  • hellen Flecken oder
  • Blitze im Auge,

leiden vermutlich unter umgangssprachlichem Augenflimmern. Mediziner bezeichnen die Störung auch als Flimmerskotom. Die wahrgenommenen Erscheinungen sind meist

  • sichelförmig,
  • flackernd,
  • gezackt oder
  • grell aufleuchtend.

Wann mit Augenflimmern zum Arzt?

Die hellen Flecken im Sichtfeld treten schon einmal unvermittelt auf – und können von allein wieder verschwinden. Ein Flimmerskotom dauert maximal etwa 15 bis 30 Minuten an.1 Meistens ist es harmlos.

Störungen der optischen Wahrnehmung, zu denen Augenflimmern zählt, können aber auch Anzeichen für akute Notfälle sein: Kommen zu dem Flimmerskotom noch schwarze Punkte oder Schatten im Geschichtsfeld dazu, besteht das Risiko einer Netzhautablösung! Häufen sich außerdem diese Sehstörungen oder lösen sich nicht in kurzer Zeit wieder auf, steckt möglicherweise eine gefährliche Augenerkrankung dahinter. In diesen Fällen ist umgehend ein Augenarzt aufzusuchen.

Wie wird Augenflimmern vom Mediziner diagnostiziert?

In dem Gespräch mit dem Patienten (Anamnese) stellt der Arzt unter anderem folgende Fragen:

  • „Was sind die Beschwerden? Wie würden Sie diese beschreiben?“
  • „Bemerken Sie weitere Leiden, wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit?“
  • „Seit wann bestehen die Symptome?“
  • „Gibt es Sehstörungen sowie Vorerkrankungen in Ihrer Familie?“

Anschließend wird sich der Arzt das Auge genauer ansehen. Mit einem Ophthalmoskop (optisches Instrument) erfolgt die Augenspiegelung, also Betrachtung des Augeninneren durch die Pupille. Schäden an der Netzhaut sollen so beispielsweise ausgeschlossen werden. Da mitunter auch die Augennerven betroffen sein können, ist bei Verdacht einer Nervenerkrankung, wie Multiple Sklerose, auch eine Überweisung zum Neurologen (Facharzt für die Gesundheit des Nervensystems) denkbar.

Die verschiedenen Ursachen von Augenflimmern

Das Wahrnehmen von Lichtblitzen sowie Augenflimmern (Photopsie) kann unterschiedlichste Auslöser haben. Tritt eine solche Erscheinung nur ein einziges Mal auf, kommen vergleichsweise harmlose Ursachen in Betracht, zum Beispiel

  • Stress,
  • Überanstrengung der Augen,
  • Unterzuckerung,
  • eine Kreislaufstörung oder
  • zu helles Sonnenlicht,

in welches direkt geschaut wurde. Allerdings gibt es auch andere Gründe für das Flimmern und die unangenehmen Lichtflecken.

Augenflimmern als typisches Begleitsymptom einer Migräne mit Aura

Ein Flimmerskotom ist in vielen Fällen ein sichtbarer Vorbote von Migräne. Es kann den Kopfschmerz-Attacken unmittelbar vorausgehen oder ohne Kopfschmerz auftreten. Skotome bei Augenmigräne erscheinen in vielen Variationen, beginnen aber in der Regel als eine Art flirrender Lichtpunkt, der die Wahrnehmung beeinträchtigt. Betroffene berichten, dass Sie diesen Punkt sowohl am Rand und im Zentrum des Gesichtsfeldes wahrnehmen. Außerhalb dieser Region bleibt das Sehvermögen in der Regel normal. Der betroffene Bereich kann sich jedoch vergrößern und sich bogenförmig oder im Zickzack-Muster ausbreiten.

Was ist das Gesichtsfeld:

Es handelt sich um den Raum, welchen das Auge während des Geradeausblickens erfassen kann.

Das Flimmerskotom entsteht häufig dadurch, dass ein sich ankündigender Migräneschub die Verarbeitung der optischen Reize im Gehirn verändert. Es verursacht zwar selbst keine Schmerzen oder Folgeerkrankungen, wenngleich einige Betroffene – bedingt durch die Wahrnehmungsstörung und mögliche Kopfschmerzen – über ein Schwindelgefühl und Übelkeit während der Anfälle klagen. Dennoch kann ein solcher Gesichtsfeldausfall sehr gefährlich sein, zum Beispiel wenn er während des Autofahrens auftritt und dadurch die Fahrtüchtigkeit einschränkt.

Blitze im Auge als Symptom schwerwiegender Augenerkrankungen

Länger anhaltendes Augenflimmern kann ein Anzeichen für eine ernsthafte Augenerkrankung sein. Anders als beim migränebedingten Flimmerskotom treten hier weitere Begleitsymptome auf, die auf die jeweilige Krankheit hinweisen.

Wird neben Lichterscheinungen wie Blitzen im Auge auch ein unvermittelter Anstieg an schwarzen oder durchscheinenden Punkten und Flecken im Gesichtsfeld wahrgenommen, kann dies Anzeichen einer Glaskörperabhebung sein. Hierbei löst sich der Glaskörper von der Netzhaut ab. Diese Krankheit gehört zu den möglichen Alterserscheinungen, da der Glaskörper im Laufe des Lebens an Größe verliert. Der Schwund ist eine der häufigsten Ursachen für Augenflimmern, da durch die Verkleinerung des Glaskörpers ein Zug auf den Verbindungspunkten zur Netzhaut entsteht. Die Zugkraft wirkt auf die Netzhaut und erzeugt so auf mechanischem Weg kurze Reize, die vom Gehirn als Flimmern, Blinken oder Blitze im Auge interpretiert werden.

Die Zugkräfte können dabei so stark sein, dass eine Netzhautablösung entsteht. Hier löst sich die Netzhaut von der darunterliegenden Aderhaut ab und kann folglich nicht mehr von dieser mit Nährstoffen versorgt werden. In diesem Fall sterben die Lichtsinneszellen in der Netzhaut ab. Dieses Krankheitsbild ist ein Notfall und erfordert sofortiges Handeln durch einen Augenarzt. Unbehandelt führt eine Netzhautablösung zu einer Erblindung.

Seltenere, aber ernstzunehmende Auslöser für ein Flimmerskotom

Weitere Ursachen für Augenflimmern können folgende sein:

  • Multiple Sklerose: Störung der Augennerven2
  • Epilepsie: Reizungen können zu komplexen visuellen Eindrücken und Sinnestäuschungen führen3
  • Schwangerschaft: seltener zu niedriger, eher zu hoher Blutdruck sowie Präeklampsie4 (umgangssprachlich „Schwangerschaftsvergiftung“)
  • Schlaganfall: unzureichende Blutversorgung von Anteilen des Gehirns5

Behandlungsmöglichkeiten bei Flimmerskotom

Für Augenflimmern und das Sehen von Blitzen gibt es keine spezielle Therapie. Viel mehr wird der Ursprung behandelt. Das heißt beispielweise, dass

  • bei niedrigem Blutzucker der Spiegel durch Nahrung oder gezielt mit Glukose wieder ins Gleichwicht gebracht werden muss,
  • eine Nerven- oder Durchblutungsstörung mit Medikamenten behandelt wird und
  • Trigger einer Migräne samt Aura möglichst zu vermeiden sind.

Eine Netzhautablösung macht tatsächlich einen kleinen, operativen Eingriff notwendig. Die wichtigsten Ziele der Therapie sind hier:

  • eine Entlastung des Glaskörpers von den einwirkenden Zugkräften
  • der Verschluss der Netzhautrisse
  • die Erzeugung einer künstlichen Narbe (zur Verhinderung einer erneuten Ablösung)

So breit das Spektrum der möglichen Ursachen ist, so vielfältig ist die Palette an Therapieansätzen. Besser als Behandlung ist natürlich Vorsorge. Mit dem Wissen um die Ursachen und die Erkennungsmerkmale, können Betroffene auch bereits selbst frühzeitig aktiv werden, ihre Lebensführung überdenken, Trigger vermeiden oder im Zweifelsfall einen Arzt aufsuchen.

Tipps für den Alltag mit Augenflimmern

Unsere Augen geben uns mit Flimmern und Blitzen im Sichtfeld nicht selten an, dass wir unter Strom stehen und uns etwas überlasten. Reagieren Sie auf solche Zeichen Ihres Körpers. Besonders, wenn Sie Ihre Augen sehr stark fordern, zum Beispiel durch lange und intensive Bildschirmarbeit, sollten Sie sich Erholung gönnen: Schließen Sie die Augen ab und zu für kurze Zeit. Oder lassen Sie den Blick in die Ferne aus dem Fenster schweifen, damit sich die Augen entspannen können. Meiden Sie auch das Blicken ins direkte Sonnenlicht. Sonnenbrillen mit entsprechendem UV-Schutz bewahren Ihre Augen vor den schädlichen Strahlen.

Bitte seien Sie sich immer bewusst: Die Augen sind eines unserer wichtigsten Sinnesorgane – durch sie erfahren wir die Schönheit unsere Umwelt. Kümmern Sie sich gut um Sie. Im Zweifelsfall ist bei Sehstörungen der Augenarzt ein guter Ansprechpartner, er berät Sie gerne.

Carolin Stollberg
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Medizinredakteurin
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