Glaskörpertrübung und „Mouches volantes“

24. Juli 2016
9 Min.

Plötzlich sind sie da: kleine schwarze Flecken, die wie Fliegen im Sichtfeld herumschwirren. Unter einer solchen Glaskörpertrübung leiden viele Menschen. Die beschriebenen „Mouches volantes“ (französisch für „fliegende Fliegen“) sind harmlos und verschwinden mit der Zeit meist von allein wieder. Doch woher kommen sie?


Den Überblick bewahren:


Alles Wissenswerte über die Glaskörpertrübung:

Jeder Mensch kann eine Trübung des Augenglaskörpers, mit Symptomen wie dem Sehen von schwarzen Flecken oder Fäden, bekommen. Hauptsächlich ist eine Schrumpfung des Glaskörpers als Ursache zu nennen. In der Regel braucht es keine spezielle Therapie, die Beschwerden sind harmlos und verschwinden meistens nach einiger Zeit von selbst. Nur in schweren, sehr selten eintretenden Fällen, wird der Glaskörper im Augapfel entfernt (Vitrektomie). Es ist ratsam, bei bleibenden Sehfeldbeeinträchtigungen einen Augenarzt aufzusuchen.

Wenn Mücken vor den Augen tanzen

Mückenschwarm, wie ihn Betroffene bei einer Glaskörpertrübung wahrnehmen.

Fast jeder hat – besonders beim Blick in den Himmel oder auf eine weiße Wand – schon einmal

  • kleine schwarze Punkte,
  • Fäden oder
  • „Mücken“

wahrgenommen, die vor den Augen umhertanzen. Manch einer zweifelt in solchen Momenten vielleicht an seiner Wahrnehmung, doch für dieses Phänomen gibt es eine Bezeichnung: „Mouches volantes“, was auf Französisch so viel heißt wie „fliegende Fliegen“. Im Deutschen wird das Phänomen auch als fliegende Mücken bezeichnet. Sie entstehen im Auge, genauer im Glaskörper.

Der Glaskörper macht den größten Teil des Auges aus. Er besteht hauptsächlich aus Wasser, gebunden an Hyaluronsäure und Kollagenfasern. Die Lichtstrahlen werden während des Sehprozesses von der Linse durch den Glaskörper zur Netzhaut geleitet. In der Netzhaut befinden sich die Sehzellen, die das Licht wahrnehmen und in Form von elektrischen Impulsen zum Gehirn weiterleiten.

Glaskörpertrübung führt zu „Mouches volantes“

„Mouches volantes“ entstehen in erster Linie durch eine altersbedingte Glaskörpertrübung. Diese bildet sich im Laufe des Lebens mit fortschreitender Verkleinerung des Glaskörpers immer weiter aus. Der Vorgang ist ganz normal, bei manchen Menschen tritt er früher auf, bei anderen später. Etwa ab dem 50. Lebensjahr machen sich die Flecken verstärkt bemerkbar.1 Durch das Schrumpfen löst sich der Glaskörper allmählich von der Augenrückwand ab, weswegen sich die Kollagenfasern im Inneren des Glaskörpers zusammenballen. Die zusammengezogenen Fasern und mögliche kleinere Blutungen im Augeninneren erzeugen dann den Eindruck von dunklen oder halbdurchsichtigen Punkten im Auge, die vornehmlich vor hellem Hintergrund wahrgenommen werden.

Betroffene empfinden eine Glaskörpertrübung mit tanzenden Punkten im Sehfeld meist als lästig. Die Sehfähigkeit wird jedoch durch die fliegenden Mücken nicht beeinträchtigt. Im weiteren Verlauf schrumpft der Glaskörper mehr und mehr, wodurch sich die Fasern zunehmend von der hinteren Augenwand entfernen. Die „Mouches volantes“ werden so immer weniger wahrgenommen, bis sie schließlich verschwinden, wenn sich der Glaskörper komplett abgehoben hat.

Hätten Sie es gewusst: Manchmal ist auch eine Migräne für Punkte im Sehfeld verantwortlich. Dabei müssen Patienten nicht unbedingt Kopfschmerzen bekommen. Der Unterschied zur Glaskörpertrübung ist, dass Patienten hier einen zickzackförmigen und flimmernden Fleck sehen, der aber nach 4 bis 72 Stunden verschwindet.2 Diese Symptome sprechen für eine Migräne mit sogenannter Aura. Ein Termin bei einem Augenarzt kann Klarheit verschaffen.

Mit „mouches volantes“ zum Arzt?

Sie nehmen häufiger schwarze Flecken im Sichtfeld wahr? Dann sollten Sie einen Arzt für Augenheilkunde aufsuchen. Er kann mittels einiger Untersuchungen erkennen, ob es sich um eine Glaskörpertrübung handelt oder ob vielleicht eine ernsthafte Erkrankung dahintersteckt. Dies kann beispielsweise eine Aderhautentzündung oder eine Netzhautablösung sein.

Wenn sich die fliegenden Mücken zu einem Rußregen verdichten, helle Blitze auftauchen oder sich ein dunkler Vorhang vor die Augen legt, ist dies ein Anzeichen für eine Netzhautablösung und damit für einen augenmedizinischen Notfall. Begeben Sie sich möglichst sofort in die (augenärztliche) Notaufnahme.

Glaskörpertrübung: Behandlung

Eine Glaskörpertrübung muss nicht weiter behandelt werden. Die „mouches volantes“ können zwar stören, verschwinden aber mit Zeit meist von alleine wieder. In seltenen Ausnahmefällen, wenn die Beschwerden für die Betroffenen nicht mehr auszuhalten sind, kann der Glaskörper komplett entfernt werden (Vitrektomie). Da diese Operation aber nicht ungefährlich ist und Folgeschäden nach sich ziehen kann, ist sie bei einer Glaskörpertrübung meist nicht angemessen.

Tipps bei einer Glaskörpertrübung

WEine Trübung des Glaskörpers im Augapfel bedarf in der Regel keiner Behandlung. Die „Mouches volantes“ können zwar stören, sind aber harmlos und verschwinden meist im Laufe des Lebens von allein wieder. Bei einer Glaskörpertrübung verlieren die Betroffenen nicht ihr Augenlicht. Die Sehfähigkeit bleibt erhalten. Allerdings können die genannten Flecken oder Punkte auch mal großflächiger ausfallen und besonders beim Blick auf weiße Flächen stark ablenken beziehungsweise stören.

In seltenen und schweren Ausnahmefällen, wenn die Punkte sehr groß und die Beschwerden für die Betroffenen nicht mehr auszuhalten sind, kann der Glaskörper, also die gelartige Substanz im Inneren des Auges, entfernt und durch eine andere Flüssigkeit oder Gas ersetzt werden (Vitrektomie). Da diese Operation aber nicht ungefährlich ist und Folgeschäden nach sich ziehen kann – etwa eine postoperative Netzhautablösung – ist sie bei einer Glaskörpertrübung meist nicht angemessen.

Wenn man sich fokussiert mit einer Sache beschäftigt, fallen die „Mouches volantes“ kaum auf. Daher empfehlen Experten immer wieder, sich nicht zu stark auf die störenden Punkte im Sichtfeld zu konzentrieren, sondern sich lieber abzulenken, zum Beispiel mit Alltagsaufgaben oder Hobbys. Generell ist es ratsam, sich darin zu üben, die dunklen Flecken im Sichtfeld zu ignorieren.

Das können Sie außerdem tun, damit Sie die tanzenden Punkte nicht (mehr) so häufig bemerken:

  • Richten Sie sich abwechslungsreich ein, ohne große helle Wandflächen. Bücherregale, Bilder und Pflanzen lenken das Auge ab.
  • Benutzen Sie eine Sonnenbrille mit hohem UV-Schutz 82 bis 92 Prozent des einfallenden Lichts sollten abgeschirmt werden (Kategorie 3).3 Die hohe Sonneneinstrahlung ist zwar keine Ursache, kann aber die Beschwerden verstärken.
  • Wenn Sie bereits Brillenträger sind, könnten möglicherweise auch selbsttönende Brillengläser helfen. Solche Gläser passen sich an sich verändernde Lichtverhältnisse an und dunkeln bei Helligkeit innerhalb kürzester Zeit ab.
  • Vermeiden Sie langes Arbeiten am Computerbildschirm und stellen Sie den Monitor nicht zu hell ein.

Fazit: Eine Glaskörpertrübung ist keine Augenerkrankung, sondern eine ganz normale Begleiterscheinung des Alterns, genauso wie graue Haare und Falten. Daher besteht in den meisten Fällen kein Grund zur Sorge.

Sabrina Mihlan
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Medizinredakteurin und Biologin
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Carolin Stollberg
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