Wie Tiere die Welt sehen

20. November 2018

Sie wissen, wie Sie sehen. Jeden Tag betrachten Sie die Welt durch Ihre Augen. Sie können sich daher in etwa vorstellen, auf welche Art und Weise andere Menschen ihre Umgebung wahrnehmen. Doch vielleicht kommt auch bei Ihnen, beim Blick in die Augen Ihrer Katze oder Ihres Hundes, die Frage auf, wie eigentlich Tiere sehen? Und unter Umständen interessiert Sie zudem, welches Tier am besten sehen kann?

Eulenaugen: Tiere sehen anders als Menschen – aber wie?

Weshalb Tiere nicht wie Menschen sehen

Unsere Augen unterscheiden sich von denen vieler Tiere. Im Laufe der Evolution haben verschiedene Arten ein Sehvermögen entwickelt, das speziell an ihre Bedürfnisse angepasst ist. So hat beispielsweise ein Adler, der aus der Luft eine Maus erkennen muss, andere Augen als eine Raubkatze, die in der Nacht jagt. Daher lässt sich auf die Frage „Wie sehen Tiere?“ zunächst einmal nur die allgemeine Antwort geben: „Anders als wir Menschen.“

So sehen Fluchttiere

Tiere wie Pferde oder Rehe sehen die Welt auf eine etwas andere Art und Weise. Zwar besitzen sie, genau wie wir Menschen, die Fähigkeit, scharf zu sehen und Farben wahrzunehmen, jedoch sitzen die Augen von Fluchttieren seitlich am Kopf. Die etwas andere Platzierung der Augen bietet den Vorteil, dass die Tiere links und rechts eine breitere Fläche sehen können. Um zu wissen, was an den Seiten passiert, müssen Fluchttiere ihren Kopf nicht drehen. Das ist wichtig, weil Raubtiere sie in freier Wildbahn oftmals von der Seite aus angreifen.

Der Nachteil dieser Augenpositionierung besteht jedoch darin, dass häufig eine Art toter Winkel direkt nach vorne besteht. Daher müssen sie ihren kompletten Kopf beziehungsweise Körper drehen, um erkennen zu können, was sich direkt vor ihnen befindet.

Raubtiere – wie diese Tiere sehen

Raubtiere wie zum Beispiel ein Jaguar oder ein Löwe schauen im Gegensatz zu Fluchttieren nach vorne. Die Augen befinden sich also wesentlich näher am Nasenrücken. Die zentrale Positionierung im Gesicht ermöglicht Raubkatzen ein sehr gutes räumliches Sehen. Das Farbsehvermögen von Katzenarten ist jedoch weniger gut ausgeprägt als bei Menschen oder Fluchttieren.

Tiere wie Raubkatzen haben darüber hinaus Augen, die sie auf eine ganz besondere Art und Weise sehen lassen. Ihre Pupillen haben die Fähigkeit, sich extrem erweitern zu können. Dadurch ist es ihnen möglich, auch in der Dämmerung oder bei Mondschein zu sehen. Der Grund: Bei ihnen gelangt noch ausreichend Licht ins Auge. Darüber hinaus befindet sich hinter ihrer Netzhaut das sogenannte Tapetum lucidum – eine Schicht, die reflektiert. Das Tapetum lucidum spiegelt eindringendes Licht, sodass dieses ein weiteres Mal auf die Netzhaut fallen kann und die vorhandene Helligkeit verstärkt. Die meisten Raubkatzen benötigen daher wesentlich weniger Licht zum Sehen als andere Tiere.

Welches Tier kann am besten sehen?

Auf die Frage: „Welches Tier kann am besten sehen?“, ist es nicht ganz einfach, eine Antwort zu geben. Es kommt immer darauf an, was man unter gutem Sehen versteht. Geht es beispielsweise eher darum, dass Farben zu erkennen sind, gehören sogar wir Menschen zu den Lebewesen, die am besten sehen. Raubkatzen können wiederum hervorragend in der Dunkelheit sehen.

Doch wenn die Sehschärfe das ausschlaggebende Kriterium ist, dann ist der Adler an erster Stelle zu nennen. Er ist für viele Personen das Tier, welches am besten sehen kann. Greifvögel wie der Adler haben „Superaugen“. Für diese Tiere ist es überlebenswichtig, sehr weit sehen zu können. Oft befinden sie sich hoch oben im steinigen Gebirge. Um ihre Beute zu erlegen, müssen Adler sie aus mehreren hundert Metern Höhe anpeilen können. Denn nur so wird ihnen ein zielgenauer Sturzflug gelingen. Viele Vogelarten haben Augen, die wie ein Fernglas funktionieren. Die Netzhaut vergrößert das Gesehene aufgrund einer kammerartigen Struktur in den Augen, die Pecten genannt wird. Greifvögel können Gegenstände vier- bis achtmal mehr vergrößern als Menschen.1

Regina Lopes Bombinho Brandt
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Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin