Das trockene Auge: Sicca-Syndrom

19. November 2018

Wenn die Augen brennen, jucken oder gerötet sind und jeder Wimpernschlag schmerzt, können trockene Augen dahinterstecken. Immer mehr Menschen leiden unter dem Sicca-Syndrom (Keratoconjunctivitis sicca). Bei diesem Krankheitsbild ist die Augenoberfläche nur unzureichend mit Tränenflüssigkeit benetzt. Betroffene empfinden dies als äußerst unangenehm, die Lebensqualität wird deutlich eingeschränkt. Mit unterschiedlichen Diagnosemethoden kann der Augenarzt trockene Augen feststellen und eine Behandlung mit befeuchtenden Augentropfen kann die Symptome von trockenen Augen verbessern.

Trockene Augen (Sicca-Syndrom): Auge in Nahaufnahme.

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Ursachen für das Sicca-Syndrom

Lebensumstände. Allein durch die höhere Lebenserwartung steigt die Zahl der Menschen mit Sicca-Syndrom, da mit zunehmendem Alter generell weniger Tränenflüssigkeit produziert wird. Hinzu kommt, dass bestimmte Erkrankungen, die im Alter häufiger aufkommen (beispielsweise Diabetes mellitus oder Rheuma), trockene Augen begünstigen. Auch Frauen in den Wechseljahren leiden wegen der Hormonschwankungen häufig unter trockenen Augen.

Eine weitere Ursache für das Sicca-Syndrom sind Umweltbelastungen: Feinstaub, Zigarettenqualm und Abgase strapazieren die empfindlichen Augen zunehmend. Viele Menschen verbringen zudem viel Zeit an Bildschirmen, ob mit Computerarbeit oder am Smartphone. Eine Erkrankung, die sich aus den dauerhaft gestressten Augen entwickeln kann, ist das Office-Eye-Syndrom (trockene Augen durch Bildschirmarbeit). Aber auch Klimaanlagen in Wohnräumen oder im Auto führen zum Verdunsten des Tränenfilms. Zudem begünstigen bestimmte Gruppen von Kontaktlinsen tragen, verstärkt über trockene Augen.

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Symptome für trockene Augen

Ist die Augenbenetzung gestört, treten typische Symptome auf. Die Augen röten sich meist, dazu jucken und brennen oder stechen sie. Betroffene klagen oftmals auch über ein Fremdkörpergefühl im Auge, als wäre Sand auf der Hornhaut. Sind die Augen extrem trocken, kann dies zu Schmerzen bei jedem Wimpernschlag führen. Die Augen schwellen oftmals an und teilweise klagen Sicca-Patienten über ein trockenes Gefühl, obwohl die Augen tränen.

Zwei Hauptgründe für trockene Augen

Eine Benetzungsstörung des Auges hat zwei Hauptursachen: Entweder produziert der Körper zu wenig Tränenfilm der dieser hat eine veränderte Zusammensetzung. Tränen werden in speziellen Drüsen gebildet, die rund um das Auge angeordnet sind. Sie befeuchten die Augenoberfläche und laufen dann in Tränenkanäle ab, die in die Nasenhöhle führen.

Der Tränenfilm zeichnet sich durch einen komplexen Aufbau aus und besteht aus drei Phasen:

  1. Die Schleimschicht liegt direkt auf der Hornhaut auf und sorgt dafür, dass sich der Tränenfilm gleichmäßig über das Auge verteilt.
  2. Die wässrige Schicht enthält Nährstoffe für die Hornhaut und Abwehrstoffe, die Krankheitserreger unschädlich machen.
  3. Ein Fettfilm liegt oben auf und sorgt dafür, dass die anderen beiden Schichten nicht einfach abfließen, sondern auf dem Auge verbleiben.

Sobald die Tränendrüsen zu wenig Tränen bilden, reißt der Tränenfilm auf. Die Hornhaut ist dann ungeschützt und wird weder mit Nährstoffen versorgt, noch können Krankheitserreger abgewehrt werden. Genauso sorgt eine veränderte Zusammensetzung des Tränenfilms (beispielsweise wenn die wässrige Schicht durch Heizungsluft beeinträchtigt ist), dafür, dass trockene Augen entstehen.

Diagnose des Sicca-Syndroms

Genauso sorgt eine veränderte Zusammensetzung des Tränenfilms (beispielsweise wenn die wässrige Schicht durch Heizungsluft beeinträchtigt ist), dafür, dass trockene Augen entstehen. Durch verschiedene Tests kann er ermitteln, wie trocken die Augen wirklich sind und eine geeignete Behandlung vorschlagen. Auch wird er der Ursache für das Sicca-Syndrom auf den Grund gehen. Im ersten Schritt nimmt der Arzt die Krankheitsgeschichte (Anamnese) auf. So ergibt sich meist schon ein genaueres Bild über die Beschwerden. Anschließend stehen mehrere Tests zur Verfügung, um die Augen auf eine Benetzungsstörung zu untersuchen.

Spaltlampe

Mit einer Spaltlampe verschafft sich der Augenarzt einen allgemeinen Überblick über den Zustand des trockenen Auges. Eventuell färbt der Mediziner den Tränenfilm ein, um die Augenoberfläche genauestens zu untersuchen. Veränderungen des Gewebes, zum Beispiel Rötungen oder verstopfte Tränendrüsen, kann er mit diesem speziellen Mikroskop feststellen.

Lidkantenparallele Bindehautfalten (LIPCOF)

LIPCOF steht für Lid Parallel Conjunctival Folds. Damit sind Falten gemeint, die auf der Bindehaut durch erhöhte Reibungskräfte zwischen der Bindehaut und den Lidern entstehen. Patienten mit trockenen Augen haben meist stark ausgeprägte lidkantenparallele Bindehautfalten. Mit der Spaltlampe untersucht der Augenarzt die Bindehaut auf die Falten und ordnet sie auf einer Skala von null (=keine Bindehautfalten) bis vier (=starke Bindehautfalten) ein.

Das Testen der Tränenfilm-Aufreißzeit (F-BUT)

Mit dem Fluoreszein-Break Up Time Test (kurz: F-BUT) wird untersucht, wie lange es dauert, bis der Tränenfilm beginnt aufzureißen. Der Test macht sich zunutze, dass trockene Augen sich deutlich von gesunden Augen unterscheiden: Bei allen Menschen wird der Tränenfilm durch regelmäßiges Blinzeln über das Auge verteilt. Bleibt das Auge hingegen für einige Zeit offen, reißt der Tränenfilm irgendwann auf. Genau das passiert bei Patienten mit Sicca-Syndrom viel schneller, als bei Personen, die dieses Augenproblem nicht haben.

Für den Test wird die Tränenflüssigkeit mit Hilfe von speziellen Augentropfen mit dem Farbstoff Fluoreszein angefärbt. Der Augenarzt beobachtet mit der Spaltlampe die Augenoberfläche und stoppt die Zeit, bis der Tränenfilm aufreißt. Der Patient darf in dieser Zeit nicht blinzeln. Die Messung wird pro Auge dreimal wiederholt, danach wird ein Mittelwert aus den Messungen errechnet.

Schirmer-Test

Mit dem Schirmer-Test kann die Produktion Tränenflüssigkeit bei trockenen Augen bestimmt werden. Dafür wird je ein Streifen Filterpapier in die unteren Augenlider eingehängt. Dann wird der Patient gebeten, die Augen fünf Minuten geschlossen zu halten. Die Filterstreifen saugen in der Zeit Tränenflüssigkeit auf. Nach Ablauf der Zeit wird gemessen, wie viele Millimeter des Papiers befeuchtet sind. Je weniger Tränenflüssigkeit produziert wird, desto kürzer ist die Strecke des angefeuchteten Papiers. Der Normalwert liegt bei mehr als zehn Millimetern. Der Schirmer-Test kann auch nach einer Reizung des Auges oder unter Betäubung der Augenoberfläche stattfinden.

Weitere Untersuchungsmethoden von trockenen Augen

Neben den zuvor genannten Standard-Untersuchungen kann der Augenarzt noch aus vielen weiteren Methoden wählen:

  • Lipidinterferenz (Fettanteil in der Tränenflüssigkeit ermitteln)
  • Keratograph (Bestimmung der Oberflächenkrümmung der Hornhaut und Anpassung von Kontaktlinsen)
  • Hornhautsensibilität (Untersuchung der Hornhautbeschaffenheit)
  • Tränenabflusstest (Kontrolle des Tränenflusses)

Häufig werden Labortests gemacht, bei denen die Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit untersucht wird. Dazu wird mit einem kleinen Tupfer ein Abstrich vom Unter- oder Oberlid genommen. Dies gibt Aufschluss darüber, ob eine veränderte Zustand des Tränenfilms das trockene Auge verursacht.

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Was tun bei trockenen Augen (Sicca-Syndrom)?

Patienten mit einer leichten oder mittelschweren Benetzungsstörung helfen befeuchtende Augentropfen für trockene Augen meist sehr gut. Diese Tränenersatzmittel können mehrmals täglich in die Augen getropft werden und sorgen für eine angenehme Befeuchtung. Besonders bewährt haben sich Augentropfen mit dem Inhaltsstoff Hyaluronsäure. Dieses körpereigne Molekül haftet sehr gut auf der Augenoberfläche und sorgt wegen seiner hervorragenden Wasserbindungseigenschaften für eine lang anhaltende Befeuchtung.

Bei schweren Formen von trockenen Augen ist die Behandlung mit Geltropfen geeignet. Sie weisen eine hohe Viskosität auf und haften daher extra lange auf der Augenoberfläche. Greifen Sie nachts am besten zu einer Augensalbe. Sie unterstützt die Augen bei der nächtlichen Regeneration und schützt sie vor dem Austrocknen.

Trockenes Auge und Kontaktlinsen?

Viele Menschen, die Kontaktlinsen tragen, kennen das trockene Gefühl im Auge. Denn die Kontaktlinsen „schwimmen“ direkt auf der Hornhaut im Auge, was dazu führt, dass sich die Tränenflüssigkeit nur schlecht verteilen kann. Als Folge daraus ist der Tränenfilm gestört und kann seiner Schutzfunktion nicht mehr vollständig nachkommen. Die Linsen reizen die Augenoberfläche und das unangenehme Gefühl beim Tragen von Kontaktlinsen entsteht. Schlecht ausgewählte Kontaktlinsen (beispielsweise eine falsche Passform) verstärken das trockene Gefühl noch und im schlimmsten Fall entwickelt sich daraus sogar eine Kontaktlinsenunverträglichkeit.

Folgende Punkte sollten bei der Auswahl der Kontaktlinsen bei trockenen Augen beachtet werden:

  • hochwertige Linsen auswählen
  • befeuchtende Augentropen verwenden
  • Linsen nur wenige Stunden tragen
  • Kontaktlinsen gründlich und regelmäßig reinigen

In jedem Fall hilft Ihnen Ihr Optiker oder Augenarzt dabei, die richtigen Kontaktlinsen zu finden, sodass sich Ihre trockenen Augen nicht verschlimmern.

Augentropfen für trockene Augen: Dies sollten Sie beachten

In der Apotheke steht Ihnen eine große Bandbreite an Augenpflegemitteln zur Verfügung. Ein hochwertiges Produkt erkennen Sie an folgenden Kriterien:

  • Frei von Konservierungsmitteln: Konservierungsmittel belasten die empfindlichen Augen, nachweislich können sie sogar das Krankheitsbild des trockenen Auges verschlechtern1.
  • Frei von Phosphatpuffer: Phosphatpuffer kann ebenfalls zu Hornhautschäden führen. Vor allem bei Menschen mit einer geschädigten Hornhaut kann sich eine dauerhafte Hornhauttrübung entwickeln2. Wählen Sie besser ein Produkt mit Citratpuffer.
  • Empfehlenswerte Inhaltsstoffe bei trockenen Augen sind: Hyaluronsäure, Dexpanthenol, Euphrasia (Augentrost), Ectoin, Heparin und Vitamin A.

Achten Sie zudem auf eine leichte Handhabung, sodass Sie die Tropfen präzise dosieren können. Auch die Ergiebigkeit ist ein wichtiges Kriterium: Die Augentropfen für trockene Augen unterscheiden sich je nach Hersteller — sowohl bezüglich Haltbarkeit als auch in der abgefüllten Menge. Pumpflaschen zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie die meisten Tropfen abgeben können. Verbunden mit einer langen Haltbarkeit, auch nach dem Öffnen, bieten diese Flaschen meist das beste Preis-Leistungsverhältnis.

Je nach individuellem Bedarf gibt es Augenpflegepräparate mit unterschiedlichen Wirkstoffen, beispielsweise gegen irritierte Augen oder bei Verletzungen der Hornhaut. Kombinationspräparate erhöhen die Bandbreite der Anwendungen zusätzlich.

Sie haben trockene Augen? Probieren Sie es doch mal mit diesen Hausmitteln.

Entscheiden Sie sich nur für Augenpflegeprodukte, die ohne Konservierungsmittel auskommen. Denn diese Stoffe schädigen die empfindliche Hornhaut. Eine Beratung bei ihrem Arzt oder Apotheker hilft Ihnen, das richtige Produkt auszuwählen.

Vorbeugend sollten Sie Maßnahmen beachten, die trockene Augen verhindern können:

  • Reduzieren Sie die Nutzungsdauer von Bildschirmen auf ein Minimum, um gestresste Augen zu vermeiden.
  • Halten Sie sich möglichst wenig in klimatisierten Räumen auf da Klimaanlagen zu trockenen Augen führen können.
  • Achten Sie auf eine gesunde Ernährung sodass kein Mineralstoffmangel entsteht.
  • Trinken Sie ausreichend, da Flüssigkeit zur Bildung von Tränen gebraucht wird.

Weitere Informationen dazu finden Sie unter Tipps für Augen im Alltag.

Sabrina Mihlan
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Medizinredakteurin und Biologin