Wichtige Fragen und Antworten zum Thema Sehhilfen bei Makuladegeneration

Welche Hilfsmittel gibt es bei Makuladegeneration?

Makuladegenerationspatienten stehen vergrößernde Sehhilfen, kontrastverstärkende Filtergläser, Leuchten und elektronische Mittel wie (Vor-)Lesegeräte, Smartphones und Apps zur Verfügung.1

Wer fertigt Sehhilfen bei Makuladegeneration an?

Die Anpassung von Sehhilfen erfolgt – unter Berücksichtigung der individuellen sowie visuellen Anforderungen und Bedürfnisse – über den Augenarzt beziehungsweise spezialisierte Optiker.

Was ist bei Hilfsmitteln bei Makuladegeneration zu beachten?

Neben den Hilfsmitteln haben Patienten unter Umständen Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis (gesetzlicher Nachteilsausgleich bei reduzierter Sehschärfe). Es ist lohnenswert, sich bei seiner Krankenkasse kundig zu machen, da von ihr einige Kosten für die Sehhilfen ganz oder zumindest teilweise übernommen werden.2

Brille, Lupe und Co.: Vergrößernde Sehhilfen bei Makuladegeneration


Für AMD-Patienten ist das Verhindern von Sehverschlechterungen oder gar Erblindung sowie das Vermeiden von Unabhängigkeitseinbußen besonders wichtig. Dafür werden unterschiedliche Maßnahmen ergriffen. Neben einer gesunden, augenfreundlichen Ernährung können zum Beispiel Sehhilfen für den Ausgleich von Sehschwächen zum Einsatz kommen. Die wohl bekanntesten sind die vergrößernden Hilfsmittel. Durch diese erscheinen Objekte, die sich vor der Sehhilfe befinden, dem Betrachter größer.

In Kürze: Diese Beschwerden treten bei Makuladegeneration auf

  • merkliche Verschlechterung der Sehkraft (Beispiele: die Augen passen sich nur verzögert an dunkle Lichtverhältnisse an, Geschriebenes erscheint verschwommen und Farben sind weniger intensiv)
  • unscharfes Sehen/Verzerrungen
  • verschwommene Flecken/Schatten im Gesichtsfeld
  • Einschränkungen in der Nah- beziehungsweise Weitsicht

Tipp:
Neben der Umstellung auf eine gesunde Ernährung, die mitunter die Augengesundheit im Gesamten unterstützt, sowie der Nutzung von speziellen Sehhilfen, kann auch eine Versorgung mit Mikronährstoffen förderlich sein.

Die optische Industrie bietet Patienten mit Makuladegeneration mit Seheinschränkungen eine große Auswahl an unterschiedlichen Möglichkeiten: Sie reichen von der klassischen Brille über Lupen bis hin zu sogenannten Monokularen. Es gibt diese vergrößernden Sehhilfen in unterschiedlichen Stärken, die in Dioptrien (dpt, Maßeinheit für die Brechkraft optischer Systeme) gemessen wird. Ein gesundes, scharfsehendes Auge weist eine Brechkraft von etwa 60 Dioptrien auf. Negative Werte weisen auf eine Kurzsichtigkeit, positive hingegen auf eine Weitsichtigkeit hin.3

Überblick vergrößernde Sehhilfen

Brillen

Die verbreitetste Sehhilfe, so auch bei AMD, ist die allseits bekannte Brille. Sie hat eine vergrößernde Funktion, ist unkompliziert in der Handhabung und erlaubt es den Trägern, uneingeschränkt mit ihren Händen zu agieren.

Brillen bei Mukladegeneration gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen und mit speziellen Gläsern.

Für Patienten mit Sehschwierigkeiten gibt es spezielle Brillen zur Behebung der Seheinschränkung. Beispielsweise:

  • Lupenbrillen
  • Sonnenbrillen mit besonderen Filtergläsern

Wenn die Makuladegeneration so weit fortgeschritten ist, dass eine Brille nicht mehr ausreicht, um die Seheinschränkung auszugleichen, gibt es weitere Hilfsmittel, die eine vergrößernde Funktion haben.

Lupen

Für AMD-Patienten können außerdem Lupen zum Einsatz kommen. Handlupen beispielsweise sind aufgrund ihrer geringen Größe vielseitig im Alltag einsetzbar, gut in der Tasche zu transportieren und recht unauffällig: Lebensmittel-Inhaltsangaben sowie Preise und Kontoauszüge werden leichter lesbar.

Vorteile von Standlupen

Besonders, wenn Sie zu zittrigen Händen neigen, eignet sich eine sogenannte Standlupe gut. Mit ihr sind Vergrößerungen (beispielweise zum Lesen von Büchern und Zeitungen) unter immer nahezu gleichen Bedingungen möglich: sie halten den entsprechenden Abstand aufgrund der jeweiligen, fixierten (Ständer-)Konstruktion. Es gibt sie in den Stärken 2 bis 20.4 Einige Exemplare ermöglichen es sogar, darunter einen Stift zum Schreiben zu halten.

Anwendungstipps zu Lupen:

  • Um sich besser an die Sicht durch die Lupenlinse zu gewöhnen, halten Sie die Linse zunächst etwas entfernt vom Betrachtungsgegenstand. Im Anschluss nähern Sie sich nach und nach weiter an, bis Sie fokussiert sehen können.
  • Wenn Sie das Bild durch die Lupe auf dem Kopf stehend sehen, ist der Abstand zu groß und Sie sollten ihn zum zu betrachtenden Objekt hin verringern.
  • Bewegen Sie sich mit der Handlupe oder Standlupe stets langsam, um Unschärfe zu verhindern und so angenehm wie möglich zu sehen.
  • Blicken Sie vorwiegend durch das Zentrum der Lupe, hier ist das Bild am wenigsten verzerrt.

Sobald Sie die optimale Sehhaltung gefunden haben, ist nur noch das Betrachtungsobjekt zu bewegen. Die (gehaltene) Lupe, der Kopf und die Augen sollten nach Möglichkeit unverändert in ihrer Position bleiben.

Übrigens:

Es gibt auch Systeme, die unter (Fernrohr-)Lupenbrillen zusammengefasst werden. Bei diesen ist eine Vergrößerung bis um das 12-fache möglich beziehungsweise lassen sich auf einer Brillenseite spezielle Aufsätze anbringen, die wie ein Fernrohr funktionieren.5

Monokular

Bei einem Monokular handelt es sich um ein einseitiges Handfernrohr. Es wird nur vor ein Auge gehalten und ist mit unterschiedlichen Vergrößerungslinsen an die jeweiligen Entfernungen anpassbar. Betroffene mit Seheinschränkungen können so entferntere Straßenschilder oder Bustafeln erkennen, aber auch nähere Sehherausforderungen wie Fahrpläne vergrößert lesen.

Manchen Lesern ist vielleicht der Begriff Monokel bekannt. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Einglas, das durch den Augenlidmuskel direkt vor einem Auge eingeklemmt wird. Diese Form der Sehhilfe stammt aus dem 19. Jahrhundert. Heutzutage kommen eher Brillen zum Einsatz, die beide Augen mit Gläsern unterstützen.

Bei Sonnenschein oder diffusem Licht: Blendschutz und Filtergläser


Ältere Personen mit AMD und Menschen mit Augenkrankheiten haben besonders dann Sehschwierigkeiten, wenn die Lichtverhältnisse unvorteilhaft sind oder sie selbst vom Sonnenschein geblendet werden. Hier können Sonnenbrillen zum Einsatz kommen.

Spezielle Gletscherbrillen

Viele Sonnenbrillen lassen durch ihre Tönung lediglich etwas weniger Licht hindurch. Sogenannte Gletscherbrillen filtern hingegen sämtliche UV-Strahlen und schützen somit das Auge. Diese Brillen sind vor allem in Sportgeschäften erhältlich.

Besonders praktisch für Patienten mit AMD erweisen sich auch Brillen mit selbstabtönenden Gläsern. Sie sind phototrop (lichtwendig), das heißt: Unter dem Einfluss von ultravioletten Strahlen verdunkeln sich diese Brillengläser. Genauso werden sie auch wieder heller, wenn die Strahlung abnimmt (zum Beispiel im Schatten).

Eine weitere Möglichkeit des Blendschutzes bieten Polarisationsfilter. Eine Kunststoffbeschichtung auf den Brillengläsern absorbiert die störende Strahlung. Vorteilhaft kann das sein, wenn im Sommer die Sonne auf eine nasse Fahrbahn scheint – dann wird das Erkennen entgegenkommender Autos beispielsweise erschwert. Eine Brille mit polarisierenden Gläsern kann Abhilfe schaffen.

Übrigens:
Um die Augen vor blendendem Sonnenlicht zu schützen, kann auch eine einfache Kappe mit Schirm helfen.

Lesesprechgeräte, Smartphones und Apps: Elektronische Hilfsmittel bei Makuladegeneration


Frau mit AMD nutzt ihr Smartphone als elektronisches Hilfsmittel gegen ihre Sehschwäche.

Warum sollten sich Betroffene mit Seheinschränkungen nicht auch elektronische Hilfsmittel zu Nutze machen? In diesem Bereich gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, sich den Alltag als sehschwache Person mit AMD zu erleichtern. Hier kommen einige Anregungen:

  • Nutzen Sie Taschenlampenfunktion des Handys bei geringer Beleuchtung unterwegs (beispielsweise in einem dämmrig beleuchtetet Restaurant, um die Speisekarte zu lesen).
  • Mittels der Zoom-Funktion der Kamera-App eines Smartphones lassen sich Schriften beispielsweise vergrößern, wodurch sie leichter zu erfassen werden.
  • Entlasten Sie Ihre Augen, indem Sie, statt ein Buch zu lesen, sich das entsprechende Hörbuch anhören.
  • Elektronische Lesegräte sind eine weitere Option, denn sie ermöglichen eine Vergrößerung von Schriften. Es gibt sogar Exemplare, die Text in gesprochene Sprache umwandeln und so vorlesen. Bei beiden Systemen wird das Schriftstück vor einen Art Kamera gehalten.

Für alle Mode-Bewusste: Es gibt Geräte, die die farbliche oder materielle Unterscheidung von Kleidungsstücken unterstützen. Vor allem bei Patienten im Spätstadium und Einschränkungen des Farb- beziehungsweise Kontrastsehens kann das eine große Alltagshilfe sein.

Es werde Licht: Augenfreundliche Beleuchtung


Es scheint auf den ersten Blick simpel, doch es lohnt sich, dies noch einmal hervorzuheben: Sorgen Sie bei Sehschwierigkeiten wie bei AMD dafür, dass Räume und speziell Gegenstände, die Sie genauer betrachten wollen, gut ausgeleuchtet sind. Vor allem beim Lesen und Arbeiten am PC oder Schreibtisch kann eine ausreichende Beleuchtung die Sehleistung verbessern beziehungsweise das Sehen erleichtern.

Gut zu wissen:

Die vorgestellten Hilfsmittel und Sehhilfen sind als Optionen bei AMD zu verstehen, die von jedem (mit Seheinschränkungen) individuell getestet werden sollten. So ist das Licht beispielsweise eine sehr subjektive Angelegenheit – was dem einen angenehm erscheint, ist jemand anderem zu hell/blendend beziehungsweise zu dunkel.

Es gibt die unterschiedlichsten Leuchten auf dem Markt, für die verschiedensten Zwecke. Doch lassen sich dennoch einige allgemeingültige Tipps zusammenfassen, von denen Patienten mit Makuladegeneration profitieren und die für eine augenfreundliche und sehförderliche Beleuchtung wichtig sind:

  • Lichtquellen sollten möglichst auf den gesamten Raum verteilt sein (Vermeidung sogenannter Lichtinseln, um die herum es dunkel ist).
  • Einzelne „Arbeitsbereiche“, die spezielle Fokussierung erfordern, wie Küchenzeile, Leseecke oder Schreibtisch dürfen mit zusätzlichen Lichtern ausgestattet sein.
  • Die Lichtfarbe hat ebenfalls einen hohen Einfluss auf angenehmes Sehen und kann eine Unterstützung darstellen: Warmes Licht mit einer Einheit von etwa 2700 bis 3300 Kelvin wird als gemütlich und behaglich empfunden, während mit steigenden Werten eine anregende Wirkung eintritt. Tageslicht hat beispielsweise eine Farbtemperatur um die 5800 Kelvin. Durch die verschiedenen Lichtfarben können Sie das Kontrastsehen erleichtern.

Sie sehen, dass Patienten mit einer altersbedingten Makuladegeneration einige Möglichkeiten geboten sind, Ihre Seheinschränkung auszugleichen und an Autonomie im Alltag zurückzugewinnen.

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Carolin Stollberg Schreiben ist ihre Leidenschaft – und das am liebsten über Themen, die die Menschen wirklich bewegen. Nachdem sich Carolin Stollberg in ihrem Studium der Germanistik alle Instrumente angeeignet hat, die sie für das Schreiben guter Texte benötigt, konnte sie sich voll und ganz Ihren Interessensschwerpunkten widmen: Gesundheit und Medizin. Seit Juli 2018 schreibt sie mit Hingabe und Sorgfalt für kanyo®. Carolin Stollberg Medizinredakteurin kanyo® mehr erfahren
Quellen anzeigen
  • 1DOG Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft: Leitlinie Nr. 7 Versorgung von Sehbehinderten und Blinden. 2011. URL: http://augeninfo.de/leit/leit07.pdf - Stand (21.04.2021)
  • 2Deutscher Caritasverband: SGB V - Gesetzliche Krankenversicherung mit eingearbeitetem GKV-VSG, PrävG, HPG, KHSG und E-Health. Gesetzestext mit gekennzeichneten Änderungen, Überblick und Stellungnahmen. Freiburg im Breisgau: Lambertus-Verlag 2016. S.86.
  • 3Kubitscheck, Steffen: Das neue Lexikon der Zahlen, Ziffern, Nummern und Buchstaben für Alltag, Freizeit, Schule und Beruf. BoD 2017. S.178.
  • 4Baumüller, Sönke: Die altersabhängige Makuladegeneration. Ein Leitfaden für Betroffene. BoD 2016. O.S.
  • 5Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA): Augenärzte informieren: Vergrößernde Sehhilfen. Düsseldorf 2004. URL: https://www.dog.org/wp-content/uploads/2009/11/vergroessernde-sehhilfen-2004.pdf - Stand (16.04.2021)