Blepharitis (Lidrandentzündung): Ursachen, Symptome, Behandlung

24. Juli 2019
8 Min.

Die Lidrandentzündung ist eine häufige Augenerkrankung und kann sowohl Kinder als auch Erwachsene betreffen. Blepharitis lautet der medizinische Oberbegriff für die Entzündung der Augenlider. Welcher Auslöser dahintersteckt, hängt vom exakten Krankheitsbild ab. Zu unterscheiden sind zum einen die akute und die chronische Blepharitis, je nachdem wie lange die Entzündung anhält. Zum anderen wird in Abhängigkeit der anatomischen Lage der Erkrankung von vorderer (anteriorer) und hinterer (posteriorer) Blepharitis gesprochen.

Überblick:

Ort der Entzündung ist abhängig von der Ursache der Blepharitis

Gerötete Augen können ein Anzeichen einer Blepharitis (Lidrandentzündung) sein.

Die vordere, oder auch anteriore, Blepharitis bezeichnet Entzündungen am Augenlid und an den Haarwurzeln der Wimpern sowie Hautirritationen am Lidrand. Die häufigsten Ursachen einer anterioren Blepharitis sind eine bakterielle Infektion oder eine seborrhoische Dermatitis – also eine schuppende Hautentzündung.

Bei einer hinteren (posteriore) Blepharitis sind die Talgdrüsen am Rand der Augenlider (Meibom-Drüsen) betroffen. Sie produzieren eine ölige Substanz, die ein wichtiger Bestandteil des normalen Tränenfilms ist und die Oberfläche des Auges benetzt. Ist die Funktion dieser Talgdrüsen gestört, weil die Drüsen verstopfen, ruft das häufig ein lästiges Brennen, juckende Augenlider oder eine Entzündung der Augen hervor. Die Meibom-Drüsen verursachen auch dann die genannten Probleme, wenn sich Bakterien oder andere Keime in den Rändern des Augenlids einnisten und zu einer Infektion führen.

Genauso können allergische Reaktionen, etwa auf

  • bestimmte Kosmetikprodukte,
  • Kontaktlinsen-Flüssigkeit oder
  • Augenmedikamente

eine Entzündung am Lidrand hervorrufen. In sehr seltenen Fällen sind es Milben oder Läuse, die in den Augenwinkeln eine entzündliche Reaktion auslösen.

Als weitere Ursache für eine hintere Blepharitis kommt unter anderem Rosazea in Betracht – eine chronische Hauterkrankung, die durch Rötungen im Mittelgesicht (reichen von der Oberlippe bis zum oberen Augenhöhlenrand und zur Nasenwurzel) gekennzeichnet ist.

Symptome einer Blepharitis

Eine Diagnose und präzise Bestimmung, welche Art von Erkrankung vorliegt, kann nur von einem Augenarzt vorgenommen werden. Im Allgemeinen deuten jedoch folgende Symptome auf eine Blepharitis hin:

  • erklebte Augenlider und verkrustete Wimpern, vor allem nach dem Schlafen (Tränen trocknen wegen der fehlenden Lidbewegung schneller aus)
  • rote Augen
  • tränende, wässrige Augen
  • ein sandiges, brennendes oder stechendes Gefühl in den Augen
  • juckende und trockene Augen
  • rote, geschwollene Augenlider
  • Abschuppung der Haut rund um die Augen
  • häufigeres Bedürfnis zu Blinzeln
  • Lichtempfindlichkeit
  • Ausfall von Wimpern
  • Fremdkörpergefühl im Auge

Eine Lidrandentzündung verursacht in der Regel keine bleibenden Schäden. Auch ein negativer Einfluss auf die Sehkraft ist nicht bekannt. Allerdings kann es, vor allem bei chronischen Verläufen der Blepharitis, zu Anschluss-Erkrankungen kommen. Die veränderte Hautflora im Augenbereich, der gestörte Tränenfilm und verstopfte Talgdrüsen begünstigen die Entwicklung von Hagel- oder Gerstenkorn und erhöhen das Risiko einer Horn– oder Bindehautentzündung. Daher ist es ratsam, sollten Sie die genannten Beschwerden bei sich bemerken, diese von einem Arzt für Augenheilkunde überprüfen zu lassen.

Therapie einer Blepharitis und Pflege gereizter Augenlider

Die Behandlung einer Lidrandentzündung ist abhängig von der jeweiligen Grunderkrankung. Bei bakteriellen Infektionen werden vom Augenarzt oftmals Antibiotika (zum Beispiel Tetracyclin oder Bacitracin) und entzündungshemmende Wirkstoffe verschrieben. Valaciclovir kommt gegen viral bedingte Beschwerden zum Einsatz. Die Darreichungsform der Medikamente ist in der Regel eine Salbe oder Augentropfen. Im Falle einer allergisch hervorgerufenen Blepharitis kann auch Kortison in Augensalben zur Anwendung kommen. Diese Medikamente sind jedoch häufig nicht zur längerfristigen Therapie geeignet. Ihr Augenarzt wird Sie über die Dauer umfassend beraten.

Generell bei empfindlichen Augen, aber besonders bei chronischen Verläufen einer Lidrandentzündung, ist gewissenhafte Lidrandhygiene oberstes Gebot. Selbstpflegemaßnahmen wie die folgenden sind in vielen Fällen für Patienten die effektivste Behandlung, sowohl von anteriorer als auch von posteriorer Blepharitis:

  • Tägliche Reinigung des Auges: Entfernen Sie Verkrustungen am Lidrand und an den Wimpern mit klarem, warmen Wasser oder mit einem in Wasser oder Olivenöl getränkten Tuch. Verwenden Sie jeweils ein frisches und sauberes Tuch für jedes Auge. Alternativ können Sie auch auf Wattepads oder Waschlappen zurückgreifen.
  • Das Auge unbedingt sauber halten: Vermeiden Sie es, Augenkosmetik und Kontaktlinsen zu verwenden.
  • Wärme hilft: Warme Kompressen können dabei unterstützen, das ölige Sekret in den Drüsen zu verflüssigen. Legen Sie die Kompressen für etwa zwei Minuten auf.1
  • Für Feuchtigkeit sorgen: Die Verwendung von befeuchtenden Augentropfen (künstlichen Tränen) lindert die Symptome eines gereizten, trockenen Auges. Achten Sie bei der Auswahl der Tropfen auf möglichst hautschonende, konservierungsmittelfreie Produkte.

Im Laufe einer akuten Lidrandentzündung empfiehlt es sich, die obenstehenden Pflegetipps je nach Bedarf anzuwenden. Wenn es die Beschwerden erfordern, auch mehrmals täglich. Insgesamt kann der Heilungsprozess unter Umständen drei bis vier Wochen dauern.2

Gut zu wissen: Einfache Hausmittel gegen juckende Augenlider

Bei juckenden Augenlidern gibt es einige Hausmittel, die schnell und unkompliziert Abhilfe gegen die Beschwerden schaffen können. Ein Beispiel dafür sind Gurken. Sie enthalten den sekundären Pflanzenstoff Fisetin, weshalb ihnen eine entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben wird. Für eine Anwendung waschen Sie die ungeschälte Gurke gründlich, legen sie in den Kühlschrank und im Anschluss als Scheibe auf das betroffene Auge. Der Inhaltsstoff und die Kälte sorgen für Linderung bei juckenden Augenlidern.

Grüner Tee kann die Symptome von juckenden Augenlidern ebenfalls bekämpfen: Er ist reich an Antioxidantien und wirkt antibakteriell. Brühen Sie einen Teebeutel mit destilliertem Wasser auf, lassen Sie den Tee 10 Minuten ziehen und dann abkühlen.3 Mit dem Aufguss spülen Sie Ihre Augen bestenfalls mehrmals am Tag.4 Für die Anwendung empfiehlt sich beispielsweise ein Augenbad. Geben Sie den Tee hierzu in eine sogenannte Augenwanne (kleines Gefäß mit ovaler Form aus Kunststoff, Porzellan oder Glas) und legen Sie es bei gesenktem Kopf auf das Auge, sodass es bündig anliegt und keine Flüssigkeit austreten kann. Neigen Sie den Kopf nun langsam nach hinten, bis das Gesicht nach oben zeigt und blinzeln Sie ein paar Mal.

Jenni Graf
E-Mail schreiben
Medizinredakteurin
Themenvorschläge? Anregungen? Schreiben Sie uns!
Carolin Stollberg
E-Mail schreiben
Medizinredakteurin
Themenvorschläge? Anregungen? Schreiben Sie uns!