Netzhautablösung: Ursachen, Symptome und Therapie

24. Juli 2019
11 Min.

Eine Netzhautablösung (NHA) kommt eher selten vor, ist aber äußerst bedrohlich für das Sehvermögen. Schnelles Handeln ist unbedingt erforderlich, denn andernfalls endet eine Ablösung der Retina fast immer mit einer Erblindung. Lesen Sie, wie es zu dieser Netzhautverletzung kommt, was mögliche Symptome sind und wie die Therapie aussieht.


Überblick:



Alles Wichtige zum Thema Netzhautablösung

  • Symptome: Lichtblitze, schwarze Punkte und Schatten im Gesichtsfeld
  • Ursachen/Risikofaktoren: Ablösung oder Abriss der Netzhaut von der darunterliegenden Aderhaut, bedingt durch Verletzungen, Entzündungen und Erkrankungen des Auges
  • Diagnose: Anamnese (systematische Patientenbefragung) und Augenspiegelung mithilfe eines Ophthalmoskops
  • Behandlung: So früh wie möglich beginnen, in den meisten Fällen erfolgt ein ambulanter Eingriff oder eine operative Verplombung (Befüllung beziehungsweise Auflagerung) der Ablösungsstelle, seltener eine Entfernung des Glaskörpers
  • Prognose: Positive Prognose und Genesung sind abhängig von der Früherkennung und raschen Behandlung; bei einer durch Erkrankung bedingten NHA sind leider bleibende Einschränkungen der Sehkraft möglich
  • Wichtig: Bei einer Netzhautablösung handelt es sich immer um einen augenmedizinischen Notfall.

Symptome einer Netzhautablösung

Bei einem Mann wird mithilfe eines speziellen Untersuchungsinstruments eine Netzhautablösung diagnostiziert.

Eine Netzhautablösung erfolgt weitestgehend schmerzfrei – und bleibt dementsprechend leider lange unbemerkt. Achten Sie auf mögliche Symptome, nehmen Sie diese unbedingt ernst und lassen Sie sie von einem Augenarzt abklären.

Folgende Beschwerden sprechen für eine bevorstehende Netzhautablösung:

  • Lichtblitze am Rand des Gesichtsfelds
  • Wahrnehmen von schwarzen Punkten, die einem Schwarm dunkler Mücken oder Ruß ähneln, auch Mouches volantes genannt (französisch für „fliegende Mücken“)
  • teilweiser Ausfall des Gesichtsfeldes als aufsteigender oder abfallender Schatten

Die Probleme treten meist zunächst an einem Auge auf. Ist nicht eine Verletzung (zum Beispiel durch einen Fremdkörper) die Ursache, sondern eine Erkrankung wie Diabetes mellitus, besteht die Gefahr, dass das andere Auge auch erkrankt. Deswegen sollten immer beide Augen untersucht werden.

Wie stark die Beschwerden letztendlich ausgeprägt sind, hängt davon ab, wo die Ablösung sich entwickelt. Die größten Beeinträchtigungen machen sich bemerkbar, wenn die sogenannte Makula – also der Punkt des schärfsten Sehens, mit den meisten Nervenzellen auf der Netzhaut – betroffen ist.

Was passiert bei einer Netzhautablösung?

Bei der Netzhautablösung, medizinisch Amotio oder Ablatio retinae, hebt sich die Netzhaut (Retina) von der darunter liegenden Aderhaut (Choroidea), genauer dem Pigmentepithel, ab. Letztere Schicht befindet sich zwischen der Netz- und der Aderhaut und ist für die Versorgung der Netzhaut mit Nährstoffen und Sauerstoff zuständig. Geht der Kontakt zu ihr verloren, werden die Lichtsinneszellen nicht mehr versorgt und sterben innerhalb kürzester Zeit ab. Es handelt sich daher um einen augenmedizinischen Notfall: Wenn die Netzhaut nicht schnellstens wieder mit dem Pigmentepithel verbunden wird, drohen dauerhafte Schäden wie eine starke Sehbehinderung oder gar eine Erblindung des betroffenen Auges.

Netzhaut und Pigmentepithel sind nicht fest verwachsen, sondern haften nur durch physikalische Kräfte aneinander. Dabei können verschiedene Faktoren diese wichtige „Verbindung“ lösen. Es gibt folgende Formen der Amotio retinae:

  • Rhegmatogene Netzhautablösung: Hier entstehen Risse in der Netzhaut, bedingt durch die Schrumpfung des Glaskörpers (formgebende Kugel aus gelartiger Substanz) im Alter, starke Kurzsichtigkeit oder nach einem operativen Eingriff.
  • Exsudative Netzhautablösung: Flüssigkeit gelangt zwischen Ader- und Netzhaut (vor allem bei Entzündungen oder einer Tumorentwicklung) und hebt sie voneinander ab.
  • Traktive Netzhautablösung: Bindegewebsstränge (bedingt durch Narben nach Verletzungen oder die Erkrankung Diabetes mellitus) üben Zugkräfte auf die Netzhautschicht aus und ziehen diese vom Pigmentepithel weg.

Die größten Risikofaktoren

Eine Netzhautablösung kann bei

Neben Erkrankungen steigt mit zunehmendem Alter außerdem die Gefahr, dass sich der Glaskörper durch Schrumpfung zurückzieht und Zugkräfte innerhalb des Augapfels verursacht.

Diagnose der Netzhautablösung

Wenn erste Symptome einer Netzhautablösung auftreten, muss so schnell wie möglich ein Arzt aufgesucht werden. Risse in der Netzhaut können so entdeckt und geschlossen werden, bevor sich die Netzhaut ablöst. Ein Augenarzt wird zunächst eine Anamnese vornehmen. Im nächsten Schritt wird die Sehschärfe bestimmt. Mithilfe eines Ophthalmoskops (optisches Instrument) erfolgt dann noch die Augenspiegelung (Begutachtung des Augeninneren durch die Pupille), um eine Netzhautablösung zu erkennen. Er sucht außerdem intensiv nach einem Netzhautriss, der typischerweise eine Hufeisenform aufweist.

Eine Netzhautablösung kann weder mit Medikamenten noch mit dem Laser behandelt werden. Eine Laserbehandlung wird nur zur Versiegelung kleinerer Netzhautlöcher eingesetzt, bei einer Ablösung ist sie hingegen wirkungslos.

Therapie einer Netzhautablösung

Sobald sich die Netzhaut vom Pigmentepithel gelöst hat, ist eine Operation so schnell wie möglich erforderlich. Dabei sind die drei folgenden Punkte wichtige Behandlungsziele:

  • Entlastung des Glaskörpers von den Zugkräften
  • Verschluss der Netzhautrisse
  • Erzeugung einer künstlichen Narbe (um eine erneute Ablösung zu verhindern)

Bei leichteren Formen der Netzhautablösung wird operativ eine Plombe (Füllung beziehungsweise Auflagerung) aus Silikonkautschuk von außen auf das Auge genäht, an der Stelle, wo sich innen das Netzhautloch befindet. Es handelt sich gewissermaßen um ein eindellendes Operationsverfahren, der Eingriff erfolgt in den meisten Fällen unter lokaler Betäubung und dauert etwa eine Stunde.1 Die Plombe drückt den Augapfel punktuell ein, sodass dieser entlastet wird. Auf diese Weise kommt die Netzhaut wieder mit dem Pigmentepithel in Kontakt. Wenn an mehreren Stellen Netzhautrisse entstanden sind, legt der Operateur ein Silikonband um das Auge.

Kleinere Risse lassen sich auch mit zwei ambulanten Verfahren therapieren: Via Kälte– oder Lasersonde erzeugt der Arzt eine gezielte Entzündungsreaktion an der Stelle des Netzhautrisses. Dadurch bildet sich eine künstliche Narbe und lässt so Netzhaut und Pigmentepithel miteinander verkleben.

Bei schweren Formen der Netzhautablösung muss der Glaskörper operativ entfernt (Vitrektomie) und durch eine sogenannte innere Tamponade (Ausfüllung mit bestimmten Substanzen) in Form von Silikonöl oder expandierenden Gasen ersetzt werden. Die Tamponade erzeugt einen Druck, der die Netzhaut wieder an die Aderhaut legt.

Nach der Operation bleibt der Patient vorerst ein paar Tage stationär im Krankhaus, damit der Heilungsprozess beobachtet werden kann. Für eine positive Entwicklung gilt es außerdem, einiges zu beachten:

  • In Bezug auf die Körperhaltung werden Patienten nach der Operation umfassend unterrichtet. Denn die Lagerung des Körpers ist individuell anhängig von der Stelle der Netzhautablösung. Der Operierte muss daher vielleicht vorerst den Blick nach unten halten, damit die Tamponade – vor allem die gasbasierte, die nach oben steigt – möglichst an gleicher Stelle bleibt. Auch von flachem Liegen auf dem Rücken kann beispielsweise abgeraten werden, weil das möglicherweise zu einer ungünstigen Umverteilung der Tamponade führt. Die genaue Dauer und Haltung bestimmt der behandelnde Arzt. Das Gas wird etwa nach 8 bis 14 Tagen vom Körper resorbiert (aufgenommen), Öl hingegen nach drei bis sechs Monaten entfernt.2 In dieser Zeit sieht der Patient meist noch sehr verschwommen.
  • In der ersten Zeit nach der Vitrektomie sollten die Augen so wenig wie möglich belastet werden. Das heißt, Lesen, langes Fernsehen und Bildschirmarbeiten sind die kommenden 2 Wochen untersagt.3
  • Solange sich noch Gas im Auge befindet, dürfen Patienten keine Flugreisen unternehmen und auch nicht ins Hochgebirge. Der niedrige Luftdruck würde sich negativ auf den Heilungsprozess auswirken und eine wiederholte Ablösung der Netzhaut provozieren. Lassen Sie sich diesbezüglich bitte von Ihrem behandelnden Arzt beraten. Er wird Ihnen sagen können, wann für Sie eine Reise in die Höhe wieder unbedenklich ist. Eine Silikonöl-Tamponade sollte jedoch einen Flug erlauben.

Sobald sich die Netzhaut innerhalb der nächsten Tage angelegt hat und eine feste Narbe entstanden ist, sind nach etwa 2 bis 3 Wochen in der Regel keine Komplikationen mehr zu erwarten.4

Prognose und Komplikationen

Grundsätzlich gilt, je früher der Netzhautabriss entdeckt wird und je kleiner er ist, desto besser sind die Chancen auf eine Heilung. Bei einer durch ein Loch bedingten Ablösung, führt eine Operation in über 90 Prozent der Fälle zu einer positiven Entwicklung.5

Da die Sehzellen der abgehobenen Netzhaut schnell Schaden nehmen, kann es jedoch bis zu zwölf Monate dauern, bis sie wieder regeneriert sind und der Patient die volle Sehschärfe erreicht.

War die Makula betroffen, ist die Sehkraft höchst wahrscheinlich langfristig beschädigt. Sehstörungen bis hin zum vollkommenen Verlust der Sehkraft können die Folgen sein. Traktive oder exsudative Netzhautablösungen weisen leider ebenfalls eine schlechtere Prognose auf, denn deren Ursachen – wie chronische Entzündungen oder Tumore – sind nicht so einfach zu beheben.

Medizinischer Notfall: Bitte wenden Sie sich mit Beschwerden, die auf eine Netzhautablösung hindeuten könnten, umgehend an Ihren Augenarzt – um den Verlust der Sehkraft vermeiden.

Sabrina Mihlan
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Medizinredakteurin und Biologin
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Carolin Stollberg
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