Tränen und Tränendrüsen

Wenn man weint, fließen die Tränen in Strömen. Aber auch wenn wir nicht weinen produzieren die Tränendrüsen einen Tränenfilm, der sich wie eine Schutzschicht über die Augenoberfläche legt. Woraus bestehen Tränen und warum fließen sie beim Zwiebelschneiden besonders stark?
Tränen werden in Tränendrüsen produziert.

Was sind Tränen und wozu dienen sie?

Tränen bestehen aus einer von den Tränendrüsen produzierten, klaren Flüssigkeit, die Kochsalz, Traubenzucker und Proteine enthält. Außerdem enthalten Tränen Lysozym, ein Enzym mit antibakterieller Wirkung, und andere bakterienhemmende Substanzen. Der pH-Wert von Tränen ist annähernd neutral.
Die Tränendrüsen geben regelmäßig Tränenflüssigkeit ab, die eine Vielzahl von Aufgaben hat:

  • Sie befeuchtet gleichmäßig die Hornhaut
  • Sie spült Fremdstoffe aus dem Auge
  • Sie wehrt mithilfe des Lysozyms und der bakterienhemmenden Stoffe Krankheitskeime ab.
  • Sie ernährt die Hornhaut und entfernt ihre Abbauprodukte.
  • Sie dienen einem wichtigen emotionalen Signal: dem Weinen.

Tränen werden in drei Tränendrüsen erzeugt: einer Haupttränendrüse (Glandula lacrimalis) und zwei sogenannten akzessorischen (zusätzlichen) Tränendrüsen.

Die Tränendrüse

Die Haupttränendrüse liegt auf der Schläfenseite der Augenhöhle, seitlich oberhalb des Auges, und besteht aus mehreren voneinander durch Bindegewebe getrennte Lappen. Die Tränendrüse wird vom vegetativen Nervensystem innerviert, das heißt, sie kann normalerweise nicht willentlich beeinflusst werden – außer man schafft es, sich ganz traurig zu fühlen.
Das Sekret der Tränendrüse mündet über bis zu zehn Ausführungsgänge in den Bindehautsack des Auges. Das ist eine Hautfalte, die von der Bindehaut im Spalt unterhalb der Augenlider gebildet wird, also am Übergang zwischen Lid und Augapfel. Aus dem Bindehautsack tritt die Tränenflüssigkeit am inneren und äußeren Lidwinkel oder über den unteren Lidrand nach außen und wird mit dem Lidschlag gleichmäßig über das Auge verteilt. Dadurch entsteht ein dünner Tränenfilm auf der Augenoberfläche, auf dem das Augenlid gleiten kann und mit dem Schmutzpartikel entfernt werden. Überschüssige Tränenflüssigkeit fließt über die ableitenden Tränenwege in die Nase ab.

Der Tränenfilm ist aus drei Schichten aufgebaut

Der Augenoberfläche liegt ein Tränenfilm von gerade einmal sieben Millionstel Litern auf. Dieser Film besteht aus drei Schichten:

  • Schleimschicht: Die Schleimschicht oder Muzinschicht liegt direkt auf der Horn- und Bindehaut und sorgt dafür, dass der Tränenfilm auf der Augenoberfläche haftet.
  • Wässrige Schicht: Die wässrige Phase ist die mittlere der drei Schichten. In ihr sind Salze, Vitamine und Spurenelemente gelöst, genauso wie Abwehrstoffe und Nährstoffe für das Augengewebe.
  • Fettschicht: Die Lipid- oder Fettschicht liegt dem Tränenfilm oben auf. Sie enthält verschiedene Fette und verhindert, dass der wässrige Teil des Tränenfilms verdunstet. Die Fettschicht wird von speziellen Drüsen, sogenannten Meibomdrüsen, produziert.

Treten Störungen im Aufbau des Tränenfilms auf oder wird zu wenig Tränenflüssigkeit gebildet, kann das Sicca-Syndrom entstehen.

Wenn die Tränen fließen: Wie weinen wir?

Tränen werden in geringer Menge ständig gebildet. Manchmal aber, beispielsweise wenn wir sehr traurig sind (oder sehr glücklich), regt das vegetative Nervensystem die Tränendrüsen dazu an, sehr viel Tränen zu produzieren. Diese Tränenflüssigkeit läuft in den Bindehautsack, und zwar in so großer Menge, dass die ableitenden Tränenwege es nicht mehr schaffen, die Flüssigkeit abzutransportieren. Der Bindehautsack läuft über und die Tränenflüssigkeit tritt über den unteren Lidrand oder am inneren und/oder äußeren Lidwinkel aus – die Folge: wir weinen. Das Weinen ist also nichts anderes als eine Überproduktion von Tränen und damit eine Störung des normalen Tränenflusses.
Das kann auch passieren, wenn Fremdkörper oder reizende Substanzen ins Auge kommen. Darauf reagieren die Nervenendigungen in der Hornhaut des Auges. Sie regen die Tränendrüsen über das vegetative Nervensystem an, verstärkt Tränen zu produzieren, um damit die Augenoberfläche zu spülen. Typisches Beispiel dafür ist das Schneiden von Zwiebeln.

Warum weinen wir beim Zwiebelschneiden?

Schuld am Weinen beim Zwiebelschneiden ist das Zusammenspiel chemischer Verbindungen, die in der Zwiebel enthalten sind. Durch diese entsteht ein tränenauslösendes Reizgas, das Propanthialsulfoxid. Für die Zwiebel ist das eigentlich ein Schutzmechanismus, es soll Tiere davon abhalten, diese anzuknabbern. Aber auch uns treibt das Gas die Tränen in die Augen, um den Reizstoff möglichst schnell wieder auszuschwemmen.

Wissenswert: Man kann die Zwiebel austricksen, wenn man sie vor und ein paarmal während des Schneidens mit kaltem Wasser abspült; das reduziert die Gasentwicklung. Außerdem ist es besser, Zwiebeln im Sitzen zu schneiden und den Kopf etwas weg zu halten, denn das Reizgas steigt hauptsächlich senkrecht nach oben. Was ebenfalls helfen kann, auch wenn es komisch aussieht: Einfach eine Schwimmbrille beim Zwiebelschneiden tragen.