Tränende Augen: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Wenn Tränen über die Wangen rollen, ist meist Traurigkeit der Auslöser, manchmal auch Freude oder Wut. Sind jedoch keinerlei Emotionen im Spiel und das Auge tränt dennoch, stecken in der Regel eine körperliche Störung oder Umwelteinflüsse dahinter. Auslöser für tränende Augen können Faktoren wie Allergien, altersbedingte Veränderungen oder auch ein zu trockenes Auge sein. Nachfolgend finden Sie ausführliche Informationen zu möglichen Gründen, Behandlungsmethoden und Tipps, wie Sie neben einer ärztlichen Behandlung Ihren tränenden Augen eigenständig entgegensteuern können.

Gründliches Abschminken kann gegen tränende Augen helfen.

So viel vorab: Tränen sind nicht gleich Tränen

Bei der Absonderung von Tränenflüssigkeit (Tränensekretion) können zwei Arten unterschieden werden.

  • Seelischer Schmerz aber auch sehr große Freude zählen zu den emotionalen Reizen. Diese lassen wässrige Tränen fließen. Meist in so großen Mengen, dass die Flüssigkeit nicht durch den Tränenkanal im inneren Augenwinkel abgeleitet werden kann, sondern außen über die Wangen rinnt.
  • Auf der anderen Seite produziert das Auge immerzu eine leicht fettige Tränenflüssigkeit, die eine gewisse Schutzfunktion übernimmt. Im intakten Zustand überzieht diese Flüssigkeit das Auge wie ein dünner Film, um die Beweglichkeit des Augapfels und einen reibungslosen Lidschlag zu gewährleisten.

Zudem erfüllt dieser schützende Tränenfilm folgende Aufgaben:

  • Schutz vor Fremdkörpern, indem er diese aus dem Auge spült.
  • Kontinuierliche Versorgung des Auges mit wichtigen Nährstoffen.
  • Verhindern von Infektionen mithilfe spezieller Abwehrstoffe.

Damit der Tränenfilm diese wichtigen Aufgaben erfüllen kann, muss er regelmäßig erneuert werden. Das Augenlid fungiert hier wie ein kleiner Scheibenwischer, der bei jedem Lidschlag den verbrauchten Tränenfilm abwischt, gleichzeitig aber auch das Auge erneut mit frischem Sekret überzieht. Den Abtransport der Tränenflüssigkeit übernehmen die Tränenkanäle. Von dort aus gelangt die Flüssigkeit in den Tränensack und weiter in die Nasenhöhle.

Ursachen für tränende Augen

Betroffene, die einen Augenarzt aufgrund tränender Augen aufsuchen, sind häufig ältere Menschen, insbesondere Frauen. Die Hormonumstellung während der Wechseljahre führt zu Störungen im komplexen Tränen-System. Damit dieses voll funktionstüchtig ist, müssen beteiligte Strukturen wie Augenlid, Tränendrüse und Tränenkanal stabil sein. Hierfür sorgen zahlreiche kleine Muskeln und ein straffes Bindegewebe. Muskeln und Gewebe werden aber mit zunehmendem Alter und durch hormonelle Umstellungen immer schwächer. Dies hat zur Folge, dass die Tränenmenge nicht mehr richtig reguliert werden kann – die Augen tränen.

Eine weitere Ursache für tränende Augen ist das trockene Auge (Sicca Syndrom). Diese Beschwerde hört sich zunächst etwas merkwürdig an, da das Auge beim Tränen ja Flüssigkeit produziert und von daher eher „feucht“ scheint.

Dass eine Folge von trockenen Augen aber auch vermehrtes Tränen ist, ist bei näherer Betrachtung jedoch logisch: Eine beispielsweise schlecht funktionierende Tränendrüse führt zunächst zu verminderter Tränenflüssigkeit und damit zu einem trockenen Auge. Ein stabiler Tränenfilm ist allerdings unerlässlich für die Gesundheit des Auges: Kleine Partikel werden so ausgewaschen und das Lid kann sanft über die empfindliche Augenoberfläche gleiten.

Benetzt der Tränenfilm also nicht vollständig das Auge, schabt nicht nur das Lid unangenehm bei jedem Lidschlag, auch Fremdkörper reizen deutlich stärker als gewöhnlich. Was geschieht? Das Auge reagiert mit vermehrter Tränenproduktion, um die Reize zu beseitigen.

Weitere Auslöser für tränende Augen im Überblick:

  • Äußere Faktoren wie Make-up, Abgase, trockene Raumluft, Computerarbeit, oder UV-Strahlen können die Augen derart reizen, dass sie mit vermehrter Tränenproduktion reagieren.
  • Gleiches gilt für Allergieauslöser wie Pollen oder Tierhaare.

Kontaktlinsenträger haben manchmal mit tränenden Augen zu kämpfen, da die Linsen reiben oder beim Ein- und Aussetzen leicht Fremdkörper in die Augen gelangen.

  • Manche Arzneimittel haben tränende Augen als Nebenwirkung. Hierzu zählen zum Beispiel einige Betablocker, Antihistaminika, Zytostatika oder Anti-Baby-Pillen.
  • Ein Schlaganfall etwa kann die Gesichtsnerven lähmen und so den regelmäßigen Lidschlag erschweren.
  • Tränende Augen können Symptom einer Grunderkrankung sein (beispielsweise Schilddrüsenleiden, Diabetes mellitus oder Rheuma).

Begleiterscheinungen tränender Augen

Tränende Augen gehen meist mit Begleiterscheinungen einher. Die Augen brennen, kratzen und sind gerötet. Häufig kommt ein anhaltendes Fremdkörpergefühl hinzu. Die Augen können ebenso anschwellen oder schmerzen, Schleim absondern und verkleben. Zudem klagen Betroffene über Sehstörungen oder Lichtempfindlichkeit.

Tränende Augen: Behandlungsmöglichkeiten

Tränende Augen sind immer ein Fall für den Augenarzt. Zum einen kann das übermäßige Vorhandensein von Tränenflüssigkeit die Sehkraft negativ beeinflussen, zum anderen ist das Leiden möglicherweise Anzeichen für eine andere Erkrankung, die eine spezielle Therapie erfordert.

Nach der Aufnahme der Krankengeschichte stehen dem Augenarzt verschiedene Untersuchungsmöglichkeiten zur Verfügung, um die richtige Diagnose stellen zu können. Eine gängige Methode ist der Schirmer-Test, mit dessen Hilfe die produzierte Menge an Tränenflüssigkeit gemessen werden kann. Hierbei hängt der Arzt in jedes Auge einen Streifen aus speziellem Papier in die untere Lidkante. Anschließend schließt der Patient locker die Augen und harrt für fünf Minuten so aus. Das Filterpapier saugt die vorhandene Tränenflüssigkeit auf, wobei sich die feuchten Bereiche des Filterpapiers verfärben. Anhand dieser sogenannten Befeuchtungsstrecke kann abgelesen werden, ob die Tränenproduktion ausreichend ist.

Eine weitere Untersuchungsmethode ist die sogenannte Spülung. Hier wird Kochsalzlösung in den Tränenkanal geträufelt. Der Patient legt dabei seinen Kopf sanft in den Nacken. Wenn er daraufhin schlucken muss und er einen salzigen Geschmack wahrnimmt, ist der Tränenkanal nicht verstopft. Gelangt die Flüssigkeit nicht in den Rachen, ist der Tränenkanal verlegt oder verengt. Des Weiteren gibt es noch eine Reihe von Tastuntersuchungen.

Der Mediziner erhält über die Tests einen Befund, der entweder bereits auf die Ursache hinweist oder noch weitere Diagnostiken erfordert.

Die Behandlung der tränenden Augen ist abhängig von der jeweiligen Ursache:

  • Steht eine Allgemeinerkrankung hinter den tränenden Augen, wird diese vom entsprechenden Facharzt behandelt.
  • Allergieauslöser sollten gemieden beziehungsweise können mit entsprechenden Medikamenten behandelt werden.
  • Anatomische Fehlfunktionen innerhalb des Auges wie ein verstopfter Tränenkanal können vom Augenarzt korrigiert werden.
  • Lassen Arzneimittel die Augen tränen, kann gemeinsam mit dem Arzt überlegt werden, ob ein Absetzen Wechsel des Präparats sinnvoll ist.

Was Sie selbst gegen tränende Augen tun können

Tränende Augen sollten zunächst immer von einem Spezialisten untersucht werden. Stellt dieser fest, dass äußere Einflüsse wie zu trockene Raumluft, Computerarbeit oder Kontaktlinsen Auslöser sind, können Sie den Beschwerden ergänzend eigenständig gegensteuern.
Dazu zählen folgende Maßnahmen:

  • Im Idealfall sollten Sie Reize wie Abgase oder Staub meiden.
  • Tragen Sie eine Sonnenbrille, wenn die Sonne scheint.
  • Trinken Sie ausreichend Wasser, wahlweise ungesüßten Tee oder verdünnte Säfte. Ein Erwachsener benötigt etwa zwei Liter Flüssigkeit täglich.
  • Spülen Sie regelmäßig Ihre Augen mit klarem Wasser aus.
  • Befreien Sie die Augenpartie abends gewissenhaft von Make-up. Die Lidränder lassen sich etwa gut mit einem Wattestäbchen reinigen.
Tipps für Kontaktlinsenträger: Achten Sie immer auf ausreichende Pausen zwischen den Tragezeiten und nutzen Sie die Linsen nicht länger, als auf der Gebrauchsanweisung steht. Zudem ist eine gründliche und regelmäßige Reinigung der Sehhilfen notwendig, sonst können beim Einsetzen und Herausnehmen leicht Schmutz und Krankheitserreger in die Augen gelangen. Falls Sie das Gefühl haben sollten, die Linsen würden trotz geeigneter Hygienemaßnahmen Ihre Augen zum Tränen bringen, können Sie darüber mit Ihrem Augenarzt sprechen. Er kann Sie beraten, wenn Sie über einen Linsen-Wechsel nachdenken.