Grüner Star (Glaukom): Ursache, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Unter dem Begriff „Grüner Star“ laufen mehrere Erkrankungen zusammen, die in erster Linie eines gemeinsam haben: Sie schädigen den Sehnerv. Grund hierfür ist ein verhinderter Abfluss von Kammerwasser in der vorderen Augenkammer, wodurch der Augeninnendruck immer weiter steigt. Dies kann so weit gehen, dass Betroffene sogar vollständig erblinden – daher ist es wichtig, die Krankheit frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Frau beim Augenarzt um Grünen Star frühzeitig zu erkennen.

Wissenswert: Offiziell haben rund 500.000 Menschen hierzulande einen erhöhten Augeninnendruck. Die Dunkelziffer in diesem Bereich ist jedoch sehr hoch, vermutlich sind etwa eine Million Deutsche betroffen.

Grüner Star (Glaukom): Augeninnendruck spielt eine große Rolle

Meist ist der Grund für einen Grünen Star ein erhöhter Augeninnendruck. Dazu kommt es, wenn das Kammerwasser nicht über den sogenannten Kammerwinkel abgeleitet werden kann. Um dies zu verstehen, lohnt sich ein kurzer Blick auf den Aufbau des Auges.
Von dort aus wird es zunächst in die hintere Augenkammer geleitet, bis es durch die Pupille in die vordere Augenkammer fließt und über den Kammerwinkel abgeleitet wird.
Beim Grünen Star funktioniert dieser Abfluss nicht reibungslos und das gebildete Kammerwasser staut sich zurück. Der Druck erhöht sich und die sensiblen Nervenzellen im Auge werden gestört. Sehstörungen sind die Folge. Bleibt dies in einem frühen Stadium unbemerkt, können sich die Störungen unbehandelt zur vollständigen Blindheit weiter entwickeln.

Grünen Star: Anatomie des Auges

Formen des Grünen Stars

Je nachdem, aus welchem Grund sich das Kammerwasser zurückstaut, teilt man den Grünen Star in drei Hauptformen:

  • Beim Offenwinkelglaukom (wird auch als Weitwinkelglaukom bezeichnet) wird der Abfluss des Kammerwassers durch Ablagerungen eingeschränkt. Dabei handelt es sich um die am häufigsten vorkommende Form.
  • Beim Winkelblockglaukom wird der Kammerwinkel durch die Iris verlegt und der Abfluss des Kammerwassers dadurch verengt. Dies kann erblich bedingt sein, aber auch durch den Missbrauch von Drogen oder nach der Einnahme bestimmter Medikamente zustande kommen. Eine Sonderform des Winkelblockglaukoms ist der plötzlich auftretende akute Winkelblock (auch Glaukom-Anfall genannt). Dies ist ein augenärztlicher Notfall, der sofort behandelt werden muss. Betroffene leiden unter starken Schmerzen und einem verhärtetem Augapfel.
  • Das kongenitale Glaukom ist angeboren. Hier ist die Entwicklung des Kammerwinkels gestört, was zu einem chronisch erhöhten Innendruck führt. Betroffene Kinder haben von Geburt an stark vergrößerte Augen.

Des Weiteren können alle Formen des Grünen Stars jeweils in eine primäre und in eine sekundäre Stufe unterteilt werden: Während das primäre Glaukom spontan auftritt, entsteht das sekundäre Glaukom als Folge einer anderen Augen- oder Allgemeinerkrankung.

Symptome Grüner Star

Die Symptome beim Grünen Star richten sich nach der jeweiligen Form der Erkrankung.

Symptome beim primären Offenwinkelglaukom

Lange Zeit treten beim primären Offenwinkelglaukom keinerlei Symptome auf, was zur Folge hat, dass die Erkrankung schlichtweg unerkannt bleibt. Betroffene bemerken keine Schmerzen, obgleich der Augeninnendruck immer weiter steigt. Erst im späteren Verlauf bemerken Erkrankte manchmal bunte Ringe um Lichtquellen (Halos) und später die typischen Gesichtsfeldausfälle (Orientierungsprobleme im Raum und Tunnelblick).

Symptome beim primären Winkelblock

Die Symptome richten sich danach, ob der Winkelblock akut, also als Notfall auftritt, oder intermittierend (wiederkehrend) ist:

  • Akuter Winkelblock: Hier schmerzt das Auge, oft auch der ganze Kopf. Der Augapfel ist verhärtet, das Auge rot. Infolge des starken Innendrucks schwillt die Hornhaut an, wodurch der Erkrankte Schleier oder bunte Ringe um Lichtquellen wahrnimmt. Hinzu können Übelkeit mit Erbrechen und Herzrhythmusstörungen kommen.
  • Intermittierender Winkelblock: Die Symptome sind ähnlich, aber abgeschwächt. Nach mehreren wiederkehrenden Beschwerden kann es aufgrund des Druckanstiegs zu einem akuten Winkelblock kommen.

Symptome beim kongenitalen Glaukom

Kinder, die mit einem Grünen Star zur Welt kommen, fallen in erster Linie durch ihre großen Augen auf. Die Hornhaut ist getrübt, die Augen tränen und häufig treten Lidkrämpfe auf. Zudem können betroffene Kinder besonders lichtscheu sein.

Symptome beim sekundären Glaukom

Die Beschwerden des sekundären Glaukoms sind abhängig von der zugrundeliegenden Augenkrankheit wie Verletzungen oder Entzündungen. Der daraus resultierende erhöhte Augeninnendruck kann sich in zwei Richtungen entwickeln: Entweder hat der Patient gar keine Symptome oder die Beschwerden sind so stark ausgeprägt wie beim akuten Winkelblock. In der Regel sind Betroffene mit den ursächlichen Augenerkrankungen ohnehin bereits in ärztlicher Behandlung, so hat der Augenarzt einen Blick auf den Verlauf der Krankheit.

Diagnosemöglichkeiten des Grünen Stars

Da der Grüne Star häufig erst im fortgeschrittenen Stadium bemerkt wird, sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen von großer Bedeutung. So sollte ab dem 40. Lebensjahr der Augeninnendruck im Zweijahresrhythmus kontrolliert werden. Anders ist die Situation, falls der Grüne Star bereits in der Familie bekannt ist: Hier empfehlen Augenärzte jährliche Vorsorgeuntersuchungen ab 35 Jahren.
Folgende Maßnahmen umfasst die Früherkennung beim Augenarzt:

  • Bei einem Sehtest prüft der Arzt die Sehschärfe. Dafür werden Buchstaben und Zahlen in verschiedenen Größen auf einem Monitor gezeigt. Der Patient muss diese laut vorlesen.
  • Die Messung des Augeninnendrucks (Tonometrie) ist durch unterschiedliche Verfahren möglich. Maßeinheit für den Augeninnendruck ist Millimeter Quecksilbersäule (mmHg). Als oberste Grenze für den Druck im Auge gilt ein Wert von 21 mmHg.
  • Bei der Augenspiegelung (Ophthalmoskopie) bekommt der Patient zunächst Augentropfen verabreicht, welche die Pupille stark weiten. Im Anschluss kann der Arzt mit einer Lupe den hinteren Teil des Auges, vor allem den Sehnerv, genauer begutachten.

Diese Diagnosetechniken können unter anderem auch bei Verdacht auf Grünen Star durchgeführt werden. Bei Kleinkindern und Säuglingen, die vermutlich an einem kongenitalen Glaukom leiden, stehen eine Reihe von Untersuchungsmöglichkeiten unter Narkose zur Verfügung:

  • Ultraschallmessung der Augäpfel (bei Neugeborenen durchschnittlich 17 bis 20 Millimeter lang, bei kongenitalem Glaukom meist 24 bis 27 Millimeter).
  • Messung des Hornhautdurchmessers mit einem Messzirkel (die Hornhaut ist im Falle einer Erkrankung meist um rund 2 Millimeter verdickt).
  • Messung des Augeninnendrucks.

Wird bei einem Erwachsenen die Diagnose „Glaukom“ gestellt, müssen weitere Untersuchungen durchgeführt werden. Eine entscheidende Rolle spielt die Gesichtsfeldmessung (Perimetrie). Hier werden dem Patienten verschiedene optische Reize im Raum gezeigt, auf die er allerdings nicht direkt blicken darf. Nimmt er sie im Blickwinkel wahr, werden Ort und Stärke schriftlich festgehalten. Mögliche Ausfälle im Gesichtsfeld können so ebenso erkannt werden wie das Stadium der Erkrankung. Wird bei Kindern ein Grüner Star diagnostiziert, muss zügig eine Operation erfolgen – Medikamente sind für eine erfolgreiche Behandlung hier nicht ausreichend.

Therapie des Grünen Stars

Ziel der Therapie ist eine Absenkung des Augeninnendrucks unter den kritischen Wert, damit die Zellen der Netzhaut wieder mit ausreichend Blut versorgt werden können. Der Grenzwert wird hier individuell festgelegt und ist abhängig davon, mit welchem Druck das Blut durch die Gefäße des Auges zirkuliert. Die Behandlung erfolgt in der Regel medikamentös oder operativ.
Beim Offenwinkelglaukom, der am häufigsten vorkommenden Form des Grünen Stars, ist eine Behandlung mit Medikamenten oft erfolgreich. Zum Einsatz kommen entweder Medikamente, die die Produktion von Kammerwasser drosseln oder solche, die den Abfluss der Flüssigkeit steigern. Die Arzneimittel gibt es in verschiedenen Darreichungsformen: Tabletten, Augentropfen oder Injektionslösungen.
Falls die Therapie mit Medikamenten nicht die gewünschten Erfolge erzielt, kann ein operativer Eingriff die Lösung sein. In der Regel kann der Eingriff beim Erwachsenen unter örtlicher Betäubung erfolgen – eine Vollnarkose ist meist unnötig. Bei der frühkindlichen Form des Grünen Stars ist eine möglichst frühe Operation immer das Mittel der Wahl. Bei diesen Eingriffen schafft der Operateur einen künstlichen Abfluss für das Kammerwasser.