Wenn die Augen nur am Tag funktionieren: Nachtblindheit

Wer tagsüber normal sehen kann, aber in der Dämmerung und bei Dunkelheit Probleme mit der Sicht hat, ist nachtblind. Die Nachtblindheit wird auch als Nyktalopie oder Hemeralopie bezeichnet. Oftmals setzt diese Sehstörung schleichend ein und betrifft beide Augen. Betroffene bemerken, dass Sie nachts Straßenschilder nicht mehr erkennen und sich in der Dämmerung schlechter orientieren können als ihre Mitmenschen. Gerade bei der Teilnahme am Straßenverkehr führt die Nachtblindheit daher zu starken Einschränkungen.

Nachtblindheit erfordert eine Anpassung der Lebensumstände.

Gesunde Augen passen sich den Lichtverhältnissen an

Um bei Tag und bei Nacht zu sehen, ist die Netzhaut unserer Augen mit zweierlei Lichtrezeptoren ausgestattet: Die sogenannten Zapfen und Stäbchen. Die Zapfen ermöglichen tagsüber eine scharfe Sicht sowie das Sehen von unterschiedlichen Farben. Die Stäbchen hingegen sind für das Sehen bei schlechten Lichtverhältnissen zuständig. Dank ihnen können wir auch in dunkler Umgebung noch etwas erkennen, wenn auch ohne Farbe und mit schwächerer Sehschärfe als am Tage.

Unsere Augen passen sich den jeweiligen Umgebungsbedingungen an, man sagt, sie adaptieren sich an die Lichtverhältnisse. Betreten wir aus der Dunkelheit einen hell erleuchteten Raum setzt innerhalb weniger Minuten eine rasche Helladaption der Augen ein. Gehen wir umgekehrt vom Hellen ins Dunkle, findet eine Dunkeladaption der Augen statt. Dieser Vorgang dauert wesentlich länger. Nach etwa fünf Minuten haben sich die Augen ein wenig an die schlechten Lichtverhältnisse angepasst. Es kann jedoch unter Umständen mehr als zwei Stunden dauern, bis sich die Augen vollständig an die Dunkelheit adaptiert haben1.

Bei Nachtblindheit sind die Lichtrezeptoren nicht voll funktionstüchtig

Bei einer Nachtblindheit sind die Stäbchen der Netzhaut funktionell beeinträchtigt. Da sie ihre Aufgabe nur unzureichend oder gar nicht erfüllen, fehlt die Adaptionsfähigkeit der Augen an die Dunkelheit. Der Sehverlust kann genetisch bedingt oder im Laufe des Lebens erworben sein.

Zu den Krankheiten, die vererbt werden und zu einer Nachtblindheit führen, gehört die Retinopathia pigmentosa . Während Betroffene in der Kindheit oftmals noch normal sehen, setzt bei ihnen die Nachtblindheit häufig erst mit zunehmendem Alter ein. Bei der sogenannten kongenitalen stationären Nachtblindheit hingegen ist der Sehfehler bereits bei der Geburt vorhanden.

Die Nachtblindheit kann darüber hinaus auch durch Krankheiten, Verletzungen oder Mangelernährung erworben werden. In Entwicklungsländern führt oftmals der Mangel an Vitamin A  zu einer Funktionsuntüchtigkeit der Stäbchen und dazu, dass viele Menschen, die unter einer schlechten Ernährung leiden, auch nachtblind sind. Ebenso können Verletzungen für eine eingeschränkte Sicht bei Nacht verantwortlich sein. Verbleiben beispielweise nach einem Unfall kleine Eisensplitter im Auge, führt das Rosten der Fremdkörper zu einer Schädigung der Netzhaut und zum Einsetzen einer Nachtblindheit.

Nachtblindheit lässt sich nur selten behandeln

Die Folgen einer Nachtblindheit können für den Betroffenen sehr einschränkend sein. Vor allem die Teilnahme am Straßenverkehr, sowohl als Fußgänger als auch als Autofahrer, ist stark beeinträchtigt. Auch in verschiedenen anderen Lebenssituationen, beispielsweise im Kino oder beim Abendspaziergang, muss das Verhalten an die Sehbehinderung angepasst werden.

Da die Nachtblindheit meist schleichend einsetzt oder schon bei der Geburt vorhanden ist, bleibt sie häufig für eine lange Zeit unentdeckt. Eine augenärztliche Untersuchung mit einem Adaptometer kann Klarheit über die Sehbeeinträchtigung verschaffen. Hierbei wird die Adaptionsfähigkeit der Augen von Helligkeit an Dunkelheit bestimmt. Mithilfe eines Nyktometers wird das Sehen von Kontrasten in der Dunkelheit ermittelt. Da diese Messung analog zum Straßenverkehr mit und ohne Blendung durchgeführt werden kann, ist dieser Test besonders wichtig, um die Fahrtauglichkeit bei Nacht zu testen. Gegebenenfalls können weitere Untersuchungen auch Hinweise zur Ursache geben. Die Behandlungsmöglichkeiten einer Nachtblindheit sind jedoch in den meisten Fällen begrenzt, eventuell kann das nächtliche Tragen einer Brille helfen.