Augenkrankheiten – ein Überblick

Die Augen gelten als das wichtigste Sinnesorgan des Menschen. Bei nahezu allen Arbeiten und Aktivitäten brauchen wir unseren Sehsinn. Ein großer Teil unseres Lebens wird davon bestimmt, was die Augen wahrnehmen. Umso mehr fürchten sich viele Menschen davor, zu erblinden. Tatsächlich führen einige Augenkrankheiten, wenn sie unbehandelt bleiben, zum Verlust der Sehkraft. Die meisten Erkrankungen können jedoch gut behandelt werden.

Symptome von Augenkrankheiten

Bei vielen Augenkrankheiten wie beispielsweise bei Erkrankungen der Netzhaut bemerken die Betroffenen meist als erstes eine Verschlechterung der Sehfähigkeit. Auch wenn plötzliche auffällige Erscheinungen wie Lichtblitze oder Schatten im Gesichtsfeld auftreten, können dies erste Anzeichen für eine Augenerkrankung sein. Da das Auge selbst nur wenige Schmerzrezeptoren besitzt, treten Schmerzen hingegen nur bei bestimmten Formen des grünen Stars und beim Gerstenkorn auf.

Bilder erscheinen bei vielen Augenkrankheiten unscharf.

Augenkrankheiten ganz allgemein lassen sich in verschiedene Gruppen zusammenfassen. Es gibt sowohl harmlose als auch ernsthafte Erkrankungen und auch die Augenlider können betroffen sein.

Erkrankungen der Augenlider

Gerstenkorn (Hordeolum) und Hagelkorn (Chalazion) sind beides Augenkrankheiten, die die Augenlider betreffen, unterscheiden sich jedoch in einigen Punkten voneinander. Das Gerstenkorn ist eine schmerzhafte bakterielle Entzündung einer der Tränendrüsen am Lidrand. Das Hagelkorn ist hingegen nicht schmerzhaft und entsteht durch eine verstopfte Talgdrüse des Lids. Kennzeichnend ist für beide Erkrankungen eine Schwellung am Lid, die augenärztlich behandelt werden sollte. Bei einem Gerstenkorn wird zur Behandlung oftmals ein Antibiotikum eingesetzt. Was beiden Beschwerdebildern gemeinsam ist: Gerstenkorn und Hagelkorn lassen sich gut therapieren und verlaufen meist harmlos.

Weiterhin können die Augenlider von gut- oder bösartigen Tumoren befallen sein. Bösartiger Krebs wie der schwarze Hautkrebs (Melanom), das Spinaliom und das Basaliom bilden sich besonders häufig am Auge, da es im Laufe des Lebens viel Sonnenstrahlung ausgesetzt ist und diese der Hauptauslöser für Hautkrebs ist. Derartige Tumoren der Augenlider können in einer Operation entfernt werden. Gutartige Hautveränderungen am Auge wie Warzen oder Muttermale sind jedoch meist ungefährlich. Wenn ästhetische Einschränkungen bestehen, lassen sie sich erfahrungsgemäß ebenfalls operativ gut entfernen.

Glaskörpertrübung

Treten beim Blick ins Helle oder auf eine weiße Wand kleine schwarze oder braune Flecken auf, die wie Mücken vor dem Auge umhertanzen, ist dies keine Einbildung. Vielmehr handelt es sich um sogenannte „mouches volantes“, auf Deutsch „fliegende Mücken“, die bei einer Glaskörpertrübung entstehen. Das Phänomen ist harmlos und verschwindet nach einiger Zeit in den meisten Fällen von alleine wieder.

Trockene Augen

Trockene Augen werden zunehmend häufiger als Augenkrankheit diagnostizier, denn immer mehr Menschen leiden aufgrund von intensiver Bildschirmnutzung, Klimaanlagen oder Luftverschmutzung unter juckenden, brennenden und geröteten Augen (Sicca-Syndrom). Viele Betroffene fühlen sich dadurch in ihrer Lebensqualität eingeschränkt, dabei lassen sich die Symptome häufig durch befeuchtende Augentropfen lindern.

Grüner und grauer Star

Grüner Star und grauer Star sind zwei bekannte Augenkrankheiten. Bei Erkrankungen, die dem grünen Star (Glaukom) zugeordnet werden, ist der Sehnerv geschädigt. Ein erhöhter Augeninnendruck führt dazu, dass Nervenzellen unwiederbringlich absterben. Wird die Krankheit nicht erkannt, kann sie zur Erblindung führen. Die Behandlung erfolgt je nach Stadium der Erkrankung medikamentös oder operativ. Wird die Augenkrankheit frühzeitig erkannt und therapiert, ist die Prognose jedoch gut.

Bei einem grauen Star (Katarakt) hingegen wird die Augenlinse mit der Zeit immer trüber. Parallel dazu verschlechtert sich auch die Sehschärfe zunehmend. Grauer Star ist eine typische Erkrankung im Alter und tritt vor allem bei Menschen über 60 Jahren auf. Behandelt wird diese Augenkrankheit mit Hilfe einer Operation, bei der der Operateur die Linse oder Teile davon durch eine künstliche Linse ersetzt.

Netzhauterkrankungen

Die Makuladegeneration kommt ebenfalls im höheren Lebensalter vor (Altersbedingte Makuladegeneration, (AMD) und ist die häufigste Ursache für den Verlust der Sehkraft im Alter. Die Sehzellen im gelben Fleck sind bei dieser Augenkrankheit überlastet und sterben ab. Da der gelbe Fleck (Makula) für das scharfe Sehen benötigt wird, sehen Betroffene einer Makuladegeneration unscharf. Gerade Linien können gebogen erscheinen und graue Flecken die Sicht trüben. Mit dem Amsler-Gitter-Test kann sich jeder selbst auf erste Anzeichen der Makuladegeneration testen. Die Behandlung der trockenen, altersbedingten Makuladegeneration ist noch nicht ausgereift, bisher wird vor allem mit bestimmten Nahrungsergänzungsmitteln gegen das Fortschreiten der Augenkrankheit vorgegangen. Bei der feuchten altersgedingten Makuladegeneration kann das Spritzen von VEGF-Hemmern (Medikamente, die spezielle Wachstumsfaktoren blockieren) ins Auge gute Erfolge erzielen.

Eine Netzhautablösung ist ein schwerwiegender augenmedizinischer Notfall, der schnellstmöglich behandelt werden muss. Patienten bemerken häufig Lichtblitze und einen dunklen Schleier, der sich wie ein Vorhang über das Sichtfeld legt. Die Netzhautablösung entsteht durch Risse in der Netzhaut und muss operativ behandelt werden. Ist die Netzhaut zu großen Teilen abgelöst, muss der Glaskörper durch eine Tamponade aus Öl oder Gas ersetzt werden. Altersbedingte Veränderungen des Glaskörpers können diese Augenkrankheit auslösen, sie kommt allerdings selten vor.

Die Retinitis pigmentosa ist eine erbliche Netzhauterkrankung. Dabei sterben – meist über Jahre hinweg – nach und nach die Sehzellen der Netzhaut ab. Durch den Verlust der Sehzellen wird das Gesichtsfeld fortlaufend eingeschränkt, bis die Betroffenen schließlich erblinden. Bisher kann die Krankheit nicht geheilt werden, Hoffnung besteht jedoch mit einem neuen Therapieverfahren. Dabei wird ein lichtsensibler Chip auf die Netzhaut implantiert, der die Lichteindrücke ans Gehirn weiterleitet.

Augenkrebs

Augenkrebs kann alle Teile des Auges befallen. Bei Kindern bis fünf Jahren ist das Retinoblastom der häufigste Tumor1. Diese Krebsart entwickelt sich aus unreifen Netzhautzellen. Wird sie nicht rechtzeitig behandelt, führt die bösartige Gewebewucherung erst zu Erblindung und später zum Tod. Eltern entdecken den Tumor in den Augen ihrer Kinder oft an Fotos, die mit Blitzlicht aufgenommen wurden: Erscheint die Pupille des Kindes weiß oder gelblich anstatt rot, sollte das Kind bald möglichst einem Augenarzt vorgestellt werden.
Bei Erwachsenen kommt das Aderhautmelanom am häufigsten vor2. Eine Sehstörung ist meist das einzige Symptom, Schmerzen treten keine auf. Im Auge kann der Krebstumor unbemerkt einige Zeit wachsen, daher wird er oft erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Kleinere Tumoren im Auge lassen sich durch eine Bestrahlung behandeln, bei größeren Wucherungen muss das Auge entfernt werden.

Quellen:
1 http://www.kinderaugenkrebsstiftung.de/die-krankheit/
2 http://www.apotheken-umschau.de/augen/augentumoren