Augenuntersuchung leicht gemacht – Die Untersuchungsmethoden beim Augenarzt

Steht der Besuch beim Augenarzt bevor, bekommen viele Menschen erst einmal ein mulmiges Gefühl. An die Augen – unser wichtigstes Sinnesorgan – lässt niemand gerne fremde Hände. Vor allem nicht, wenn verschiedene Augenuntersuchungen durchgeführt werden sollen. Diese Sorge ist allerdings vollkommen unbegründet. Damit Ihnen der nächste Besuch beim Augenarzt etwas leichter fällt, hier die wichtigsten Methoden zur Augenuntersuchung auf einen Blick.

Junge Frau bei einer Augenuntersuchung

Die Augen machen es dem Augenarzt meistens nicht leicht: Von außen ist ihnen in der Regel nicht anzusehen, ob alles in Ordnung ist oder etwas nicht stimmt. Bei der Augenuntersuchung muss sich der Augenarzt deshalb mit ausgeklügelten Methoden einen Überblick über die Lage im Inneren des Auges verschaffen.

Anomaloskopie

Farbsehschwächen wie die Rot-Grün-Blindheit zu diagnostizieren, ist oft gar nicht so leicht – äußerlich sind sie nicht zu erkennen. Mit Hilfe des Anomaloskopes kann der Augenarzt der Farbsehschwäche aber trotzdem auf die Schliche kommen: Bei dieser Form der Augenuntersuchung blickt der Patient in einen Mikroskop-ähnlichen Apparat und sieht zwei unterschiedlich gefärbte Halbkreise. Mit außen angebrachten Rädchen soll er nun versuchen, die Farben so lange zu verändern, bis die beiden Halbkreise dieselbe Farbe haben. Menschen mit Farbsehschwäche haben dabei oft große Schwierigkeiten – sie erkennen die unterschiedlichen Färbungen nicht. Bei der genetisch vererbten Rot-Grün-Sehschwäche liegt beispielsweise eine Störung in den Zapfen der Netzhaut vor, die für das photopische Sehen, also die Farberkennung, zuständig sind.

Augeninnendruckmessung

Das menschliche Auge steht immer unter Druck. Und das ist auch gut so: Denn dank des Zusammenspiels zwischen der Menge des Kammerwassers im Auge und des Drucks, den es verursacht, behält das menschliche Auge seine runde Form. Ist der Abfluss des Kammerwassers allerdings behindert, staut es sich immer weiter an und erhöht so den Augeninnendruck. Das kann sich nicht nur unangenehm anfühlen, sondern auch die Netzhaut – und damit das Sehvermögen – auf Dauer schädigen.

Um das zu erkennen, führt der Augenarzt eine Augeninnendruckmessung (Tonometrie) durch. Bei dieser Augenuntersuchung sorgen Augentropfen für eine örtliche, zeitlich begrenzte Betäubung der Hornhaut. Anschließend presst der Augenarzt eine kleine Mess-Apparatur auf die Hornhaut und kann anhand der Kraft, die er aufwenden muss, um die Hornhaut drei Millimeter einzudrücken, die Höhe des Augeninnendrucks erkennen. Keine Sorge: Der Untersuchte verspürt dabei keinerlei Schmerzen!

Augenuntersuchung mit dem Augenspiegel

Mit dem Augenspiegel will der Augenarzt den Zustand des Augenhintergrunds beurteilen. Mit Hilfe mehrerer Linsen und einer speziellen Lichtquelle kann er ein stark vergrößertes, auf dem Kopf stehendes Bild der Netzhaut betrachten – ohne selbst vom Licht geblendet zu werden. Gerade für Menschen mit Arteriosklerose, hohem Blutdruck oder Diabetes ist eine regelmäßige Untersuchung des Augenhintergrunds sehr wichtig. Bei ihnen ist das Risiko von Schäden an den Augen deutlich höher als bei gesunden Menschen. Aber auch bei Verdacht auf eine Verletzung des Sehnervs oder eine Netzhautablösung kann die Augenspiegelung (Ophthalmoskopie) wichtige Ergebnisse liefern.

Meistens werden bei dieser Augenuntersuchung Tropfen angewendet, die für einige Stunden die Pupillen erweitern – Autofahren und die Arbeit an schweren Maschinen sind danach erst einmal tabu.

Autorefraktion

Diese Augenuntersuchung wird jedem bekannt vorkommen, der schon mindestens einen Termin beim Augenarzt hinter sich hat. Der Untersuchte muss dabei einfach nur sein Kinn auf eine spezielle Halterung legen und die Stirn anlehnen – den Rest übernimmt das Gerät, ohne Berührung oder Schmerzen.

Die Aufgabe der Apparatur ist es, die Länge der Augen zu bestimmen und so letztendlich einen ersten Hinweis auf eine Fehlsichtigkeit zu liefern. Die Länge des Augapfels kann dabei entscheidend sein: Ist er zu lang, ist das charakteristisch für eine Kurzsichtigkeit, der umgekehrte Fall spricht für eine Weitsichtigkeit.

Fluoreszenz-Angiografie

Sind krankhafte Veränderungen der Netzhaut zu befürchten, kann eine Fluoreszenz-Angiografie Klarheit verschaffen. Per Injektion in eine Armvene verabreicht der Augenarzt dem Patienten einen Farbstoff, der sich im Körper verteilt und zeitweise alle Blutgefäße einfärbt. Augentropfen sollen die Pupillen erweitern, dann kann die Augenuntersuchung losgehen: Ausgestattet mit einer speziellen Lichtquelle und einer entsprechenden Kamera fertigt der Augenarzt Bilder vom Augenhintergrund an. Dank des Farbstoffs lassen sich Veränderungen der Blutgefäße oder austretende Flüssigkeiten leicht erkennen.

Gesichtsfelduntersuchung

Blickt der Mensch geradeaus, sieht er das, worauf er sich gerade konzentriert, scharf. Alles andere verschwindet dabei aber nicht aus seinem Blickfeld, es wird lediglich zunehmend unscharf – die Wahrnehmung funktioniert aber trotzdem. Nähert sich etwas von der Seite, zum Beispiel ein fahrendes Auto, können wir trotzdem darauf reagieren. Die Spannweite dieses Sehvermögens bezeichnet der Augenarzt als Gesichtsfeld. In der Jugend erreicht das Gesichtsfeld bis zu 180 Grad, danach nimmt es allmählich ab.

Einige Erkrankungen, wie der Grüne Star, haben großen Einfluss auf den Gesichtsfeldbereich und beschleunigen die natürliche Verschlechterung. Ob und inwieweit es schon zu Einschränkungen gekommen ist, kann die Gesichtsfelduntersuchung, oder Perimetrie, herausfinden.

Der Untersuchte hat bei dieser Augenuntersuchung die Aufgabe, starr auf einen fixierten Punkt zu blicken und durch Drücken eines Knopfes mitzuteilen, wann er ein Blinken am Rand seines Gesichtsfelds wahrnimmt. In der Regel wird dabei ein Auge nach dem anderen untersucht, das andere wird jeweils mit einer Augenklappe verdeckt.

Hornhauttopografie

Vor allem den Kontaktlinsenträgern ist die Hornhauttopografie ein Begriff. Sie dient dazu, die Oberflächenbeschaffenheit der Hornhaut auszumessen und sichtbar zu machen – denn bei jedem Menschen sieht die Hornhaut etwas anders aus.

Der Keratograf ermöglicht mittels eines computergesteuerten Systems die Darstellung der Hornhaut: Tausende, kleinste Punkte auf der Hornhaut des Auges werden optisch erfasst und auf den Computer übertragen, der aus den Messwerten eine farbige Grafik errechnet. Der Patient muss dabei lediglich den Blick auf einen Lichtpunkt am Gerät richten. Für den Augenarzt ist es wichtig, diese Form der Augenuntersuchung regelmäßig durchzuführen, um Kontaktlinsen individuell anpassen und krankhafte Veränderungen der Hornhaut rechtzeitig erkennen zu können.

Bestimmung der Sehstärke mit dem Phoropter

Die Autorefraktion gibt erste Anhaltspunkte, der Phoropter misst die Sehschärfe auf die Dioptrie genau: Der Untersuchte blickt dabei durch den Phoropter – eine Art übergroß geratene, mechanisierte Probierbrille – auf bestimmte Buchstaben, Zahlen oder Bilder und versucht sie zu entziffern. Der Augenarzt verdeckt dann jeweils ein Auge und tauscht die Gläser so lange aus, bis die passende Gläserstärke gefunden ist.

Am Ende der Augenuntersuchung steht fest, ob der Untersuchte eine neue Sehhilfe benötigt oder ob die aktuelle angepasst werden sollte.

Ultraschall

Auch im Bereich der Augen ist der Ultraschall eine beliebte Methode, um Erkrankungen oder Veränderungen ausfindig zu machen. Die Augenuntersuchung mittels Ultraschall verschafft Einblicke in um- oder dahinterliegende Bereiche wie Tränendrüsen, Muskeln oder auch den Sehnerv. Zu den Krankheiten, die per Ultraschall untersucht werden können, zählen unter anderem

  • Netzhautablösungen,
  • Grauer Star,
  • Sehnerverkrankungen,
  • und Glasköpertrübungen oder -blutungen.

Das Gerät sendet Ultraschallwellen aus, die vom untersuchten Gewebe entweder absorbiert oder reflektiert werden. Anhand dieser Daten setzt der Computer ein Bild zusammen – die verschiedenen Grauabstufungen lassen daraufhin Aussagen über das Gewebe zu.

Spaltlampen-Untersuchung

Besonders häufig kommt außerdem die Untersuchung mittels der sogenannten Spaltlampe zum Einsatz. Alles was der Patient hier tun muss, ist sein Kinn auf eine spezielle Halterung zu legen (um unwillkürliche Kopfbewegungen zu vermeiden) und den Blick auf die integrierte Lichtquelle zu richten. Mithilfe des Spaltlampen-Mikroskops kann der Augenarzt nun sowohl die äußeren als auch die inneren Strukturen des Auges vergrößert betrachten – und krankhafte Veränderungen, wie Entzündungen oder Trübungen der Linse, rechtzeitig erkennen. Dank ihrer Unkompliziertheit und der genauen Erkennbarkeit aller Bereiche des Auges gehört diese Augenuntersuchung zu den wichtigsten, die der Augenarzt durchführt.